Die Schale des Verlangens

Es war ein­mal ein König, der einem Der­wisch einen Wunsch erfül­len wollte. Der Der­wisch wünschte sich, dass man seine Bet­tel­schale mit Gold­mün­zen fül­len möge.

Der König hielt es für die leich­teste Sache der Welt, die Schale zu fül­len. Aber die Schale erwies sich als eine Zau­ber­schale. Als er ver­suchte, sie zu fül­len, wurde sie nicht voll. Je mehr Geld hin­ein­ge­schüt­tet wurde, desto lee­rer wurde sie. 

Der König war sehr ent­täuscht. Da sagte ihm der Der­wisch: “Majes­tät, wenn Sie meine Schale nicht fül­len kön­nen, so sagen Sie es nur, und ich werde sie wie­der mit mir nehmen.”

Das ärgerte den König. Darum befahl er: “Der­wisch, erzähle mir von dem Geheim­nis dei­ner Schale. Es scheint nicht natür­lich zu sein. Es gibt einen Zau­ber darin, erzähle mir das Geheimnis.”

Der Der­wisch ant­wor­tete: “Ja, Majes­tät, es ist wahr, was Sie erkannt haben, es ist eine Zauberschale.

Es ist das Herz des Men­schen, das nie­mals zufrie­den ist. Fül­len Sie es, womit Sie wol­len, mit Reich­tum, mit Auf­merk­sam­keit, mit Liebe, mit Wis­sen, mit allem was es gibt. Es wird nie­mals gefüllt sein, denn es ist ihm nicht bestimmt, gefüllt zu wer­den. Weil er dies Geheim­nis des Lebens nicht kennt, strebt der Mensch bestän­dig nach allen Din­gen, die er vor sich sieht.

Und je mehr er bekommt, desto mehr wünscht er sich, und die Schale sei­nes Ver­lan­gens wird nie­mals gefüllt.”

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