Europawahl und Hornberger Schießen

Europawahl 2009 - Zeit zu wählen

Euro­pa­wahl 2009 — Zeit zu wählen

Lange und aus­gie­bige Dis­kus­sion um Wahl­be­tei­li­gung, Wich­tig­keit von Wah­len im All­ge­mei­nen und Wich­tig­keit der Euro­pa­wah­len beschäf­tig­ten Presse, Funk und Fern­se­hen in den letz­ten Wochen.

Auch ich bin der Mei­nung, dass man zur Wahl gehen sollte, um so die Mög­lich­kei­ten, die man als Bür­ger hat, auszuschöpfen.

Das Schimp­fen und Kla­gen über Poli­ti­ker und deren teil­weise eigen­süch­ti­gen Ver­hal­ten, kann im Grunde kein Grund sein, nicht zur Wahl zu gehen.

Warum wäh­len?
Wenn man unzu­frie­den ist, hat man zumin­dest bei der Wahl die Mög­lich­keit, die­sen Unmut auch kund­zu­tun. Dies kann man machen, indem man durch seine Stimme dazu bei­trägt, dass die Macht­ver­hält­nisse geän­dert wer­den, aber auch dadurch, dass man zur Wahl geht und den Stimm­zet­tel bewusst ungül­tig macht.

Auch eine ungül­tige Stimme ist eine Mei­nungs­äu­ße­rung und lässt zumin­dest wenig Zwei­fel daran, dass hier jemand den Wahl­schein aus­ge­füllt hat, der nicht mit den wähl­ba­ren poli­ti­schen Par­teien und deren Per­so­nal ein­ver­stan­den ist.

Geht man nicht zur Wahl, so hat man diese Mög­lich­keit ver­tan und hat durch diese  Zustim­mung sein Ein­ver­ständ­nis zum Ergeb­nis der Wahl gege­ben — die Poli­ti­ker dadurch legitimiert.

Unsere “Euro­pa­wahl“
Heute woll­ten wir auch wäh­len gehen. Da wir im letz­ten hal­ben Jahr inner­halb von Köln umge­zo­gen sind, haben wir uns nicht son­der­lich dar­über gewun­dert, dass weder meine Frau noch meine Toch­ter eine Wahl­be­nach­rich­ti­gung erhal­ten hatten.

Feh­lende Wahl­be­nach­rich­ti­gung
Meine Wahl­be­nach­rich­ti­gung war ein­ge­trof­fen und da ich uns alle zur glei­chen Zeit und mit dem glei­chen Zet­tel umge­mel­det hatte, gin­gen wir davon aus, das die Wahl­be­nach­rich­ti­gun­gen für meine Frau und meine Toch­ter auf dem (Post)Weg ver­schütt gegan­gen sind. Das war auch nicht wei­ter tra­gisch, denn auch ich hatte schon ohne Wahl­be­nach­rich­ti­gung gewählt, indem ich mei­nen Per­so­nal­aus­weis vor­ge­legt hatte.

Glei­ches Vor­ge­hen woll­ten meine Frau und meine Toch­ter nutzen.

Im Wahl­lo­kal ange­kom­men, erhal­ten wir einen Wahl­schein. Der Hin­weis, dass keine Wahl­be­nach­rich­ti­gung ange­kom­men sein, änderte nicht daran.

Wir wur­den auf­ge­for­dert, den Wahl­schein in der Wahl­ka­bine aus­zu­fül­len, um dann mit dem aus­ge­füll­ten Wahl­zet­tel zu einem Wahl­hel­fer zu gehen.

Geheime Wahl?
Hier habe ich mich gefragt, wieso ich mit einem aus­ge­füll­ten Wahl­zet­tel — es han­delt sich schließ­lich um eine geheime Wahl — durch das Wahl­lo­kal zu einem Wahl­hel­fer gehen muss. Was ist noch geheim an einer Wahl, wenn ich noch nicht ein­mal einen Umschlag erhalte, in den ich den aus­ge­füll­ten Wahl­zet­tel ste­cken kann, um ihn vor zufäl­li­gen Bli­cken zu schüt­zen und das Geheime einer Wahl schüt­zen zu können.

Ange­kom­men beim Wahl Wahl­hel­fer, prüfte die­ser in den Wäh­ler­lis­ten, ob man dort ein­ge­tra­gen ist.

Kein Ein­trag in der Wäh­ler­liste
Hier stellte sich dann her­aus, dass weder meine Frau, noch meine Toch­ter in die­sen Wäh­ler­lis­ten ein­ge­tra­gen waren und ihre Stimme — sie stan­den da mit aus­ge­füll­tem Wahl­zet­tel — nicht ange­nom­men und gewer­tet wer­den könnte.

Erreich­bar­keit und Öffnungs­zeit des Wahl­am­tes
Man gab uns aller­dings den Hin­weis, dass das Wahl­amt in der Athe­ner Straße noch bis 15.00 Uhr geöff­net hätte und bis zu die­sem Zeit­punkt dort einen Wahl­schein bean­tra­gen könne.

Nun muss man wis­sen, dass die Athe­ner Straße in Chor­wei­ler, einem Außen­be­zirk von Köln liegt und die Erreich­bar­keit inner­halb der ver­blei­ben­den drei­ßig Minu­ten fast unmög­lich ist. Immer­hin hät­ten wir erst noch das Auto und das Navi holen müs­sen, um die Straße schnellst­mög­lich zu fin­den. Von der Innen­stadt bis dort­hin dau­ert es auch eine Weile, sodass es schon unter die­sen Vor­aus­set­zun­gen kaum zu schaf­fen gewe­sen wäre.

Aus­ge­spro­chen nette Wahl­hel­fer ver­su­chen zu hel­fen
Die aus­ge­spro­chen nette Wahlhelfer-Mannschaft ver­suchte nun, eine andere Mög­lich­keit zu erschließen.

Wofür gibt es schließ­lich eine Hot­line bei der Stadt Köln?

Hot­line bei der Stadt Köln
Die Anrufe führ­ten aller­dings zu kei­ner Ver­bin­dung. Ent­we­der wurde gar keine Ver­bin­dung her­ge­stellt oder, wenn die Ver­bin­dung dann doch zustande kam, war der Anschluss besetzt. Wahr­schein­lich war die Hot­line überlastet.

Meine Frau und meine Toch­ter muss­ten dann, ohne die Mög­lich­keit zu haben, ihre Stimme für die Euro­pa­wahl abzu­ge­ben, das Wahl­lo­kal verlassen.

Zur Erin­ne­rung:

Ich hatte uns alle zur glei­chen Zeit auf einem ein­zi­gen Ummel­de­bo­gen umge­mel­det. Mir ist eine Wahl­be­nach­rich­ti­gung geschickt wor­den und ich stand auch im Wählerverzeichnis.

Meine Frau und meine Toch­ter haben keine Wahl­be­nach­rich­ti­gung erhal­ten, stan­den aller­dings auch nicht im Wählerverzeichnis.

Der Gang ins Wahl­lo­kal ging für sie aus wie das Horn­ber­ger Schie­ßen oder, wie man umgangs­sprach­lich auch sagt: Außer Spe­sen nichts gewesen.

Links

Wiki­pe­dia — Horn­ber­ger Schie­ßen
http://de.wikipedia.org/wiki/Hornberger_Schie%C3%9Fen

Wiki­pe­dia — Euro­pa­wahl
http://de.wikipedia.org/wiki/Europawahl

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One Response to Europawahl und Hornberger Schießen

  1. Elmar Fischer on 25. August 2009 at 16:19

    Da auch zur kom­men­den Kom­mu­nal­wahl nur ich einen Wahl­schein erhal­ten hatte, hat sich meine Frau um Klä­rung bemüht.
    Dabei wurde dann bekannt, dass sowohl meine Frau als auch meine Toch­ter aus unse­rer gemein­sa­men Woh­nung zu unter­schied­li­chen Daten abge­mel­det wor­den sind. Wel­cher Sach­be­ar­bei­ter dies getan hat, kann nicht mehr nach­voll­zo­gen wer­den und auch der Grund der Abmel­dung ist somit nicht mehr eru­ier­bar.
    Nach vie­len Tele­fo­na­ten und per­sön­li­chem Ein­satz, nach Laufe­reien zum Ein­woh­ner­mel­de­amt und wenig ent­ge­gen­kom­men­den Sach­be­ar­bei­tern bei der Stadt Köln, sind diese Aus­tra­gun­gen aus dem Mel­de­re­gis­ter nur wie­der kor­ri­giert wor­den.
    Heute noch muss­ten wir wegen unse­res Bewoh­ner­park­aus­wei­ses ins Bezirks­amt, da auch der hier schon bezahlte Aus­weis stor­niert wor­den war. Dass eine Zah­lung statt­ge­fun­den hat, muss­ten wir mit einem Kon­to­aus­zug bele­gen, da es im Moment Pro­blem bei der Stadt­kasse gibt und es von amt­li­cher Seite nicht nach­ge­prüft wer­den konnte.

    Kein Wort der Ent­schul­di­gung — das nenne ich Bür­ger­freund­lich­keit und Bürgernähe!

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