Fast wie im Urlaub — oder doch ein wenig mehr?

Gedan­ken über Sinn und Zweck von mehr­tä­gi­gen Fahr­ten oder Schul­land­heim­auf­ent­hal­ten in der Grund­schule und im Offe­nen Ganztag

Mehr­tä­gige Klas­sen­fahr­ten oder Fahr­ten mit dem Offe­nen Ganz­tag gehö­ren in vie­len Schu­len zum Stan­dard und wer­den in mehr oder weni­ger gro­ßen Abstän­den durchgeführt.

Alters­ge­mischte Grup­pen
Häu­fig, wenn es sich nicht um reine Klas­sen­fahr­ten han­delt, sind alters­ge­mischte Grup­pen unter­wegs, die sich aus Kin­dern der Grund­schule in der Alters­stufe von 7 bis 11 Jah­ren zusammensetzen.

Dies war zum Bei­spiel in die­sen Oster­fe­rien (2008) so, bei einer Fahrt in die Jugend­her­berge Oer­ling­hau­sen im Lip­per­land. Schwer­punkt die­ser Fahrt war das Archäo­lo­gi­sche Frei­licht­mu­seum Oer­ling­hau­sen. Das Schwer­punkt­thema lau­tete Stein­zeit. Aber dazu spä­ter mehr.

Feri­en­ak­ti­vi­tä­ten
Wie schon des Öfte­ren sollte die Feri­en­zeit genutzt wer­den um mit den Kin­dern etwas nicht All­täg­li­ches zu unter­neh­men, wozu wäh­rend des nor­ma­len Schul– und OGT-Betriebs nicht die orga­ni­sa­to­ri­schen Mög­lich­kei­ten gege­ben sind.

Der The­men­schwer­punkt und die Vor­be­rei­tung
Da die Kin­der immer wie­der ihr Inter­esse für geschicht­li­che The­men zei­gen, war die Idee der Fahrt in die “Stein­zeit” schnell gebo­ren, sodass der orga­ni­sa­to­ri­sche Teil in Angriff genom­men wer­den konnte: Suche eines geeig­ne­ten Muse­ums, einer Unter­kunft und eines Bus­un­ter­neh­mens, das uns zum Ort unse­rer Wahl brachte.
Außer­dem muss­ten die Kin­der und Eltern infor­miert, Eltern­briefe geschrie­ben, die finan­zi­el­len Vor­ga­ben erläu­tert und fest­ge­legt, Anträge gestellt, Regeln auf­ge­stellt, ein fes­tes Pro­gramm erar­bei­tet wer­den usw. usw.

Die Fahrt beginnt
Nach all die­sen Vor­über­le­gun­gen und Vor­ar­bei­ten war es dann am 17. März so weit. Pünkt­lich stand der Bus vor der Schule. Nach der Ver­ab­schie­dung ging es dann auch gleich los und nach kur­zem Win­ken fuhr der Bus um die Ecke und die Fahrt begann.

Wie üblich, wenn man mit Kin­dern unter­wegs ist — wir waren noch nicht auf der Auto­bahn –schon die erste Frage: Wann sind wir end­lich da?

Berichte der Kin­der
Wir möch­ten an die­ser Stelle nicht den Berich­ten der Kin­der vor­grei­fen und bre­chen aus die­sem Grund einen tage­buch­ähn­li­chen Bericht über diese Fahrt hier ab, möch­ten aber noch ein paar Worte zu sol­chen Auf­ent­hal­ten und dem Zuge­winn für die Kin­der sagen.

Der Sinn sol­cher Fahr­ten
Der Sinn einer sol­chen Fahrt ist selbst­ver­ständ­lich mehr als nur eine Ver­gnü­gungs­fahrt, die mit dem Urlaub zu ver­glei­chen ist. Sie ist auch kein Aus­gleich für Kin­der, die nor­ma­ler­weise nicht in Urlaub fah­ren und sie soll auch kein Aus­gleich von sozia­ler Benach­tei­li­gung sein.

Der Zuge­winn für die Kin­der
Mehr­tä­gige Fahr­ten oder Schul­land­heim­auf­ent­halte sol­len einen ech­ten Zuge­winn für Kin­der wer­den, in der sie Gemein­schafts­er­fah­run­gen sam­meln kön­nen, das Mit­ein­an­der als etwas Posi­ti­ves erle­ben, gleich­zei­tig ler­nen, in einer Gruppe Ver­ant­wor­tung und Auf­ga­ben zu über­neh­men und die eigene Posi­tion inner­halb der Gruppe fin­den.
Die­sen Punk­ten kommt in einer Gesell­schaft, in der Ein­zel­kin­der die Regel sind, immer grö­ßere Bedeu­tung zu.

Sozia­les Ver­hal­ten
Ins­be­son­dere kön­nen bei mehr­tä­gi­gen Fahr­ten oder Schul­land­heim­auf­ent­hal­ten sozia­les Ver­hal­ten und Rück­sicht­nahme erfah­ren und ein­ge­übt wer­den.
Dies beginnt mit der Hilfe beim Bet­ten machen, der Über­nahme von klei­nen Auf­ga­ben und Arbei­ten für die Gemein­schaft, dem “sich-auf-den-Teller-laden” beim gemein­sa­men Essen und endet beim Trös­ten am Abend, wenn das Kuschel­tier nicht aus­reicht, um auf­kom­men­des Heim­weh zu unterdrücken.

Ler­nen
Indi­vi­du­el­les und ganz­heit­li­ches Ler­nen ist bei sol­chen Fahr­ten ein wei­te­rer wich­ti­ger Punkt. In unse­rem Fall war dies das gemein­same Tun und Ler­nen im archäo­lo­gi­schen Museum zum Thema Stein­zeit.
Prak­ti­sche Anwen­dun­gen wie das Jagen mit der Speer­schleu­der, das Mah­len von Korn und Backen auf offe­nem Feuer und das Gestal­ten von Schmuck machen Natur und Kul­tur erfahr­bar und stel­len Gelern­tes in andere Zusammenhänge.

Damit ist das Ler­nen aber nicht abge­schlos­sen, denn in der Schule wer­den diese Erfah­run­gen auf­ge­grif­fen, geord­net, prä­sen­tiert und in Bezug mit der Gegen­wart gesetzt.

Neue Fähig­kei­ten und Bega­bun­gen ent­de­cken
All diese Erfah­run­gen geben den Kin­dern die Mög­lich­keit, unbe­kannte Fähig­kei­ten und Bega­bun­gen zu ent­de­cken.
Gleich­zei­tig erfah­ren sie, wie ver­bin­dend Gemein­schafts­er­leb­nisse sind und wie berei­chernd Team­ar­beit sein kann. Sie ler­nen, dass Regeln und Gren­zen die­ses Mit­ein­an­der unter­stüt­zen und erst so ermöglichen.

Die Eltern
Auch für Eltern ist die Fahrt der Kin­der manch­mal ein gro­ßer Schritt, denn viele Kin­der waren noch nie auf Klas­sen­fahrt. Kann mein Kind das schaf­fen? Was ist, wenn es Heim­weh bekommt? und ähnli­che Fra­gen beschäf­ti­gen die Eltern. Aus Sorge, dass ihrem Kind etwas pas­sie­ren könnte und dass nicht bemerkt wird, geben sie ihrem Kind gegen alle Abspra­chen und Regeln ein Handy mit oder rufen an, um mit ihrem Kind zu spre­chen.
Das ist in der Regel kon­tra­pro­duk­tiv. War bis dahin noch kein Heim­weh da, so kommt es mit Sicher­heit nach einem Gespräch mit Mama oder Papa.

Auch für Eltern setzt ein Lern­pro­zess ein, der bestimmt nicht ein­fach zu meis­tern, aber im Ver­trauen auf die beglei­ten­den Per­so­nen zu bewäl­ti­gen ist.

Nach dem Auf­ent­halt wer­den Kin­der, Eltern und Begleit­per­so­nen einer sol­chen Fahrt neue Erfah­run­gen und Erkennt­nisse gesam­melt haben und die nächste Fahrt aus die­ser Erfah­rung her­aus gelas­se­ner meistern.

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