Gedanken zur Bundespräsidentenwahl

Standarte des Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland

Stan­darte des Bun­des­prä­si­den­ten der Bun­des­re­pu­blik Deutschland

Bis die Bun­des­ver­samm­lung, die in der Regel nur alle fünf Jahre zusam­men­tritt, zusam­men­trat, um den Bun­des­prä­si­dent zu wäh­len, schlu­gen die Wel­len im Vor­feld der Wahl beson­ders hoch.
Es war nicht immer schön, was da zu sehen und zu lesen war und es zeigte sich über­deut­lich, dass das Amt des Bun­des­prä­si­den­ten den übli­chen par­tei­po­li­ti­schen Spiel­chen unter­liegt, was der Würde die­ses Amtes in kei­ner Weise entspricht.

Es ist nicht die erste Wahl, die ich mit­er­lebt habe.
Wie bei jeder die­ser Wah­len wurde der Bun­des­prä­si­dent in der Regel von der regie­ren­den Par­tei oder Koali­tion vorgeschlagen. Meist gab es dann  noch einen Gegen­kan­di­da­ten.
Nach Bekannt­gabe der Kan­di­da­ten und ein paar Mei­nungs­äu­ße­rung sei­tens der Par­teien und der Presse, tratt dann die Bun­des­ver­samm­lung zusam­men und wählte den Bundespräsidenten.

Der Kan­di­dat der Regie­rungs­par­teien wurde von der Bun­des­ver­samm­lung gewählt und war somit der neue Bun­des­prä­si­dent der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land.
Das klappte nicht immer im ers­ten Wahl­gang, was dem Anse­hen des Bun­des­prä­si­den­ten aber nicht gescha­det hat.

Die­ses Mal war alles anders.
Wie in den Jah­ren zuvor bestimmte die Regie­rungs­ko­ali­tion den Kan­di­da­ten für das Amt des Bundespräsidenten. Auserkoren wurde Chris­tian Wulff, Minis­ter­prä­si­dent des Lan­des Nie­der­sach­sen.
Schon im Vor­feld gab es Gerüchte um den Kan­di­da­ten, der da noch eine Kan­di­da­tin war.
Kaum war die die Kan­di­da­tur Wulffs bekannt, benannte Rot/Grün einen eig­nen Kandidaten. Dieser wurde plötz­lich in den Medien als der ideale Kan­di­dat her­aus­ge­stellt, sodass kri­ti­sche Anmer­kun­gen nicht mehr zu fin­den waren.

Wie sagt man so schön Neudeutsch: Es wurde durch die Medien ein regel­rech­ter Hype aus­ge­löst, der schnell von der Bevöl­ke­rung ange­nom­men und teil­weise auch über­nom­men wor­den ist.

Ins­be­son­dere das Inter­net hat sich hier als Medium poli­ti­scher Macht erwiesen. Auf Face­book bil­de­ten sich schnell Grup­pen von Befür­wor­tern des Kan­di­da­ten der Rot/Grünen Kan­di­da­ten. Die Mit­glie­der­zah­len die­ser Grup­pen wuch­sen in atem­be­rau­ben­der Geschwin­dig­keit und die Wahl von Herrn Gauck wurde — auch von den Medien — eingefordert. Er sei der ein­zige Kan­di­dat, der wähl­bar sei, war die ein­hel­lige Mei­nung, die in die­sen Grup­pen und durch die Medien trans­por­tiert wurde!

Auch im Freun­des– und Bekann­ten­kreis spra­chen sich die meis­ten Men­schen für den Kan­di­da­ten Gauck aus. Auf Nach­frage, warum er denn der bes­sere Kan­di­dat sei, zeigte sich schnell, dass die erfor­der­li­chen Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen nicht vor­han­den waren und der Ein­fluss, der durch den Medi­en­hype vor­ge­ge­be­nen Mei­nung deut­lich spür­bar war. Sicherlich lag es teil­weise auch daran, dass Herr Wulff mehr ein Mensch der lei­sen Töne ist.

Im Vor­feld der Wahl waren der Ein­fluss und die Wich­tig­keit die­ser Wahl für das par­tei­po­li­ti­sche Kal­kül mehr als sicht­bar und die Vor­wahl­zeit ver­mit­telte so den Ein­druckt einer rei­nen Wahlkampfschlacht. Unangemessen und von den Vätern des Grund­ge­set­zes so sicher­lich nicht gewollt.
Auch die Gewis­sens­frei­heit rückte mehr in den Blick­punkt. Frak­ti­ons­zwang wurde von den Oppo­si­ti­ons­par­teien als nicht der Wahl ange­mes­sen kri­ti­siert, gleich­zei­tig aber von ihnen selbst aus­ge­übt.
Vor der Wahl muss­ten die Abge­ord­ne­ten bekannt geben, wie sie zu wäh­len geden­ken und jetzt, nach der Wahl, wer­den mög­li­che Abweich­ler von der Frak­ti­ons­mei­nung gesucht.

Der Bun­des­prä­si­dent sollte nicht vom Volk gewählt wer­den, so denke ich, haben die Väter des Grund­ge­set­zes bestimmt, damit die Mög­lich­keit einer Wahl, wie sie zu Beginn der Nazi­zeit durch­ge­führt wor­den ist, sich nicht wie­der­ho­len kann.
Das war zu Beginn der jun­gen Demo­kra­tie der Bun­des­re­pu­blik sicher­lich kein so fal­scher Gedanke. Inzwi­schen sind aber 60 Jahre ver­gan­gen und die Demo­kra­tie ist gefes­tigt.
Aus die­sem Grund denke ich, dass man die Wahl des Bun­des­prä­si­den­ten durch­aus wie­der in die Ver­ant­wor­tung des Vol­kes geben kann. Ich würde das sogar aus­wei­ten wol­len auf die Wahl der Ministerpräsidenten.

Damit würde par­tei­po­li­ti­sches Kal­kül von vor­ne­her­ein aus­ge­schlos­sen und das Volk hätte die Mög­lich­keit, den Bun­des­prä­si­den­ten und den Minis­ter­prä­si­den­ten unab­hän­gig von die­sen par­tei­po­li­ti­schen Spiel­chen zu wäh­len. Dies würde viel­leicht auch der Polit­kver­dros­sen­heit ent­ge­gen­wir­ken, der ich mich auch immer wenige ent­zie­hen kann.

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Bun­des­prä­si­den­ten­wahl

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Ein Kommentar

  1. Bernd Othmer
    Erstellt am 5. Juli 2010 um 09:58 | Permanent-Link

    Wenn es den so ein­fach wäre. Ein vom Volk gewähl­ter Bun­des­prä­si­dent müsste mehr Macht­be­fug­nisse bekom­men als sie unser Prä­si­dent heute hat– eine Prä­si­di­al­de­mo­kra­tie (wie z.B. Frank­reich oder USA) ist eben etwas ande­res als eine par­la­men­ta­ri­sche Demo­kra­tie. Ein vom Volk gewähl­ter Prä­si­dent würde also eine grund­le­gende Reform der gan­zen Ver­fas­sung bedeu­ten– und das will eigent­lich auch nie­mand. Die Direkt­wahl von Minis­ter­prä­si­den­ten ist sicher auch mach­bar– schliess­lich müs­sen auch Ober­bür­ger­meis­ter von Groß­städ­ten gegen andere Mehr­hei­ten anre­gie­ren, der Minis­ter­prä­si­dent ist aber nicht prä­si­den­tial, son­dern eher der Bun­des­kanz­le­rin in der Macht­funk­tion vergleichbar.

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