Gewaltfrei Lernen

By | 28. Juni 2009

Gewalt an Schu­len
Gewalt­prä­ven­tion ist eines der immer wie­der­keh­ren­den The­men in der Schule.
Durch Vor­fälle, die in der Presse berich­tet wer­den, rückt diese Pro­ble­ma­tik immer wie­der in den Fokus der Öffentlichkeit.

Ohne hier Gründe und Ursa­chen die­ser Gewalt zu suchen oder zu erör­tern, möchte ich kurz von einem Pro­jekt berich­ten, das nach mei­nem Dafür­hal­ten sehr dazu bei­tra­gen kann, dass die Gewalt­prä­ven­tion an einer Schule ein­ge­lei­tet, ein­ge­übt und dau­er­haft eta­bliert wird.

Ver­su­che zur Gewalt­prä­ven­tion
Schon seit län­ge­rer Zeit wird Gewalt­prä­ven­tion an Schu­len — hier ins­be­son­dere in sozi­al­räum­lich belas­te­ten Gebie­ten — durch­ge­führt.
Ein­ge­führt wur­den sol­che Gewalt­prä­ven­ti­ons­pro­jekte über ein Streitschlichtermodell.

Streit­schlich­ter
Grund­lage war es, einer kleine Gruppe von Streit­schlich­tern aus­zu­bil­den, die dann bei Kon­flik­ten auf dem Schul­hof mit den “Streit­häh­nen” die Ursa­che ergrün­den und eine mög­li­che Eini­gung anbah­nen und damit die Bei­le­gung des Kon­flikts zu ermög­li­chen.
Unab­hän­gig von auf­sichts­füh­ren­den Leh­rern sol­len Kon­flikte durch die Schü­ler selbst gere­gelt wer­den.
Ange­strebt wird dabei immer eine Win-Win– Situa­tion, sodass kei­ner der am kon­flikt­be­tei­lig­ten Schü­ler als Ver­lie­rer aus der Aus­ein­an­der­set­zung her­aus­geht.
Streit­schlich­ter sind an einem beson­de­ren Merk­mal — häu­fig rote Käp­pis — für die Schü­ler zu erkennen.

Streit­schlich­ter an Grund­schu­len
Die­ses Modell wird auch an Grund­schu­len durch­ge­führt.
Mei­nes Erach­tens ist die­ses Modell nicht sehr gut geeig­net, da die Kin­der mehr die Funk­tion eines Hilfs­she­riffs haben oder zumin­dest so gese­hen wer­den könn­ten.
Außer­dem wer­den immer nur wenige Kin­der aus­ge­bil­det, sodass die­ses Modell der Streit­schlich­tung in der Regel auch nur weni­gen Schü­lern zugutekommt.

Gewaltfrei lernen“Gewalt­frei Ler­nen“
“Gewalt­frei Ler­nen” benutzt einen ande­ren Ansatz, um Gewalt­prä­ven­tion an Schu­len ein­zu­füh­ren, ein­zu­üben und dau­er­haft zu etablieren.

Der Ablauf
Gewalt­prä­ven­tion mit “Gewalt­frei Ler­nen” beginnt mit einem Eltern­abend, auf dem über Ziele, Durch­füh­rung und gemein­sa­mes Han­deln aller Betei­lig­ten den anwe­sen­den Eltern vor­ge­stellt wer­den.
Einige Übun­gen, die die Kin­der im Ver­lauf die­ses Pro­gramms erler­nen wer­den, wer­den wäh­rend des Eltern­abends vor­ge­stellt und auch mit den Eltern durch­ge­führt.
Dies gibt den Eltern die Mög­lich­keit, auch im fami­liä­ren Bereich auf in der Schule Gelern­tes zurück­zu­grei­fen, um so die Bemü­hun­gen der Gewalt­prä­ven­tion zu unterstützen.

Fort­bil­dung
Bevor das Pro­gramm begon­nen wird und die Trai­ner in die Schule kom­men, um mit den Kin­dern zu arbei­ten, ler­nen die Leh­rer die Grund­la­gen des Pro­jekts “Gewalt­frei Ler­nen”.
Neben einem theo­re­ti­schen Teil fin­det diese Fort­bil­dung zu gro­ßen Tei­len in der Turn­halle statt, denn die Leh­rer müs­sen die glei­chen Übun­gen ler­nen, die mit den Schü­lern inten­siv geübt werden.

Die Arbeit mit den Schü­lern
Bei den Übun­gen mit den Schü­lern, die über­wie­gend prak­tisch in der Turn­halle durch­ge­führt wer­den, geht es um Gewalt­prä­ven­tion schon dann, wenn es zu Aus­ein­an­der­set­zun­gen oder Kon­flik­ten kom­men könnte.
Die Schü­ler üben kon­kret, was zu tun ist, wenn ein ande­res Kind — aus wel­chen Grün­den auch immer -, etwas macht, was dem eige­nen Emp­fin­den ent­ge­gen­steht.
Es wird nicht so sehr auf eine Kon­flikt­lö­sung im Nach­hin­ein gesetzt, obwohl auch das Thema ist, Schwer­punkt ist aber die Ver­mei­dung von Kon­flik­ten und Gewalt im Vor­hin­ein.
So wird die Signal­wir­kung der “Stopp­hand” so ein­ge­übt, dass sie unmiss­ver­ständ­lich ist und auch der Satz: “Lass das bitte, ich will das nicht!” wird laut, deut­lich und ein­deu­tig gesprochen.

Aber auch das Holen von Hilfe, wenn man trotz diese kon­kre­ten Signale an sein Gegen­über nicht wei­ter­kommt, wird the­ma­ti­siert und geübt.

Die ganze Schule
Die ganze Schule ist an die­sem Trai­ning durch die Trai­ne­rin­nen und Trai­ner von “Gewalt­frei Ler­nen” betei­ligt.
Alle haben über Kon­flikte, Gewalt und Gewalt­prä­ven­tion gespro­chen und gelernt, wie man eigene Bedürf­nisse for­mu­liert und sei­nem Gegen­über ein­deu­tig zu ver­ste­hen gibt, dass er doch auf­hö­ren möge.
Auf die­ser, allen in der Schule bekann­ten, Grund­lage wird diese Methode geübt.
Bei Kon­flikt­klä­run­gen spie­len die Leh­rer die “Gewalt­frei Lernen”-Lösungsstrategien mit den Kin­dern wie­der durch, sodass sich die­ses Ver­fah­ren lang­sam und dau­er­haft etabliert.

Nach­schu­lung
Nach eini­ger Zeit kommt das “Gewalt­frei Ler­nen” — Team noch ein­mal in die Schule und macht mit jeder Klasse ein Auf­fri­schungs­trai­ning, nach­dem vor­her mit den Schü­lern bespro­chen wor­den ist, bei wel­chen Kon­flik­ten die gelern­ten Ver­hal­tens­stra­te­gien gehol­fen haben, einen Kon­flikt zu vermeiden.

Fazit
“Gewalt­frei Ler­nen” ist sicher­lich eine sehr effek­tive Mög­lich­keit, Gewalt­prä­ven­tion an Schu­len ein­zu­füh­ren, ein­zu­üben und dau­er­haft zu etablieren.

Natür­lich ist dies auch kein Selbst­läu­fer nach dem Motto: Die Trai­ner waren da und jetzt haben wir keine Gewalt mehr an der Schule!

Ein Erin­nern an Gelern­tes und das Üben der Regeln auto­ma­ti­sie­ren den Ablauf der “Gewalt­frei Lernen”-Strategien und geben so den Schü­lern, den Eltern und auch den Leh­rern ein Instru­ment an die Hand, Gewalt­prä­ven­tion als Grund­lage des Umgangs mit­ein­an­der zu machen.

Kos­ten
“Gewalt­frei Ler­nen” ist nicht kos­ten­los, aber Gott sei Dank fin­den sich trotz Kri­sen­zei­ten immer noch poten­zi­elle Spon­so­ren, die sich dafür ein­set­zen, dass wir in einer Gesell­schaft leben, in der Gewalt nicht in den Fokus gesetzt wird, son­dern schon durch die Stär­kung der Schü­ler­kom­pe­ten­zen in den Hin­ter­grund des gemein­sa­men Lebens rückt!

Dafür möchte ich hier aus­drück­lich: DANKE! sagen.

Links
Hom­page “Gewalt­frei Lernen”

Kurz­in­fos zum Pro­jekt “Gewalt­frei Ler­nen” als PDF-Datei

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2 thoughts on “Gewaltfrei Lernen

  1. Melanie Richter

    Diese Pro­jekt gibt es bereits an der Schule mei­ner Kin­der. Äußerst effek­tiv und sinnvoll.

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  2. Sabine

    Tolle Sache!!!

    Gut finde ich vor allem, dass wirk­lich die ganze Schule ein­ge­schlos­sen wird und es so nicht (oder wenigs­tens sel­te­ner) pas­siert, dass das vor­han­dene Ange­bot nicht genutzt wird, weil ein Teil dar­über nicht genug weiß oder es nicht nut­zen will.

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