Kreativ durch Zeitinseln

Som­mer­wiese

Alles, was wir tun, ist meist ziel­ge­rich­tet und „ergibt“ einen Sinn. Schon bei Kin­dern ist das in der heu­ti­gen Zeit so, denn sie haben teil­weise Ter­min­ka­len­der, die einem Spit­zen­ma­na­ger zur Ehre gerei­chen würden.

Mor­gens in die Schule. Nach dem Mit­tag­es­sen Haus­auf­ga­ben, anschlie­ßend Musik­kurs, an den sich gleich noch Sport anschließt. Abends, kurz vor dem Schla­fen­ge­hen, wer­den noch ein­mal die Voka­beln abge­hört. Das setzt sich Tag für Tag so fort!

Am Wochen­ende fällt dann zwar die Schule aus, aber dann wird nach­ge­holt, was in der Woche auf der Stre­cke geblie­ben ist. Dik­tat und Ein­mal­eins­rei­hen üben, noch mal schnell ans Instru­ment und die Auf­gabe spie­len, die auf­ge­ge­ben wor­den ist und zur Ent­span­nung etwas vor den Fern­se­her, die Play­sta­tion oder den Com­pu­ter set­zen. Sonn­tag­abends die Schul­ta­sche für Mon­tag packen, noch mal schnell die Voka­beln wie­der­ho­len und die Sie­be­n­er­reihe auf­sa­gen. Gute Nacht!

Sicher­lich ist ein so aus­ge­füll­ter Tag nicht bei jedem Kind so vor­ge­ge­ben.  Besucht ein Kind aller­dings den Offe­nen Ganz­tag oder eine wei­ter­füh­rende Schule, die als Ganz­tags­be­trieb aus­ge­legt ist, so ist mit sei­nem Heim­kom­men in der Regel nicht vor 16:30 Uhr zu rech­nen. Die ver­blei­bende Fami­li­en­zeit ist sehr gering und muss recht prä­zise gema­nagt wer­den. Rich­tig Zeit für sich selbst bleibt da nicht, denn auch Freunde for­dern Auf­merk­sam­keit, die Ord­nung des eige­nen Zim­mers mus auf­recht­er­hal­ten, klei­nere Fami­li­en­dienste müs­sen über­nom­men wer­den und so ließe sich die Liste fast belie­big lang verlängern.

Geprägt ist unser All­tag, nicht zuletzt auch durch die Medi­en­flut, der wir stän­dig aus­ge­setzt sind und die auf uns her­nie­der stürzt, von Hek­tik und geziel­ten Handlungen.

Was zu kurz kommt, ist die Ruhe, die Muße, die Zeit für sich, die man auch ohne Ziel und ohne schein­ba­re­ren Sinn ver­brin­gen kann.

Inzwi­schen muss man sich sol­che Inseln fast schon wie­der im Ter­min­ka­len­der frei­schau­feln, sie fest ein­pla­nen und damit einen wei­te­ren Ter­min in den eige­nen Ter­min­ka­len­der integrieren.

Es ist sicher­lich auf den ers­ten Blick wider­sprüch­lich, min­des­ten eine Ter­min­in­sel für sol­che Dinge fest­zu­le­gen und auch ein­zu­hal­ten, gleich­zei­tig ist sie aber Grund­vor­aus­set­zung für das Wohl­be­fin­den und die Leis­tungs­fä­hig­keit von Kin­dern. Nur wer aus­ge­ruht ist und Dinge mit Muße tun kann, kann auch Leis­tung erbringen.

Unwohl­sein ist meist die Folge, wenn man Kin­dern diese Mög­lich­keit der „Ruhein­seln“ schafft, denn sie haben schon fast ver­lernt, mit sol­chen Zeit­fens­tern umzu­ge­hen, die neben einer aus­rei­chen­den Menge an Schlaf — im Grund­schul­al­ter ca. zwölf Stun­den — zu den Grund­be­dürf­nis­sen gehören.

Ein­fach in der Ecke sit­zen und Löcher in die Luft star­ren, ist sicher­lich auch nicht jeder­manns Sache, es sei denn, es han­delt sich dabei um Meditation.

Aber gerade bei Grund­schul­kin­dern, aber auch bei Erwach­se­nen kann man etwas ohne Ziel­rich­tung beschäf­ti­gen ohne das am Ende ein Ziel erreicht sein muss. Son­dern frei nach dem Motto: Der Weg ist das Ziel! Kann man zum Bei­spiel durch Malen oder andere For­men des freien Gestal­tens erreichen.

Warum denn ein Kurs, wenn man ein­fach durch Nichts­tun zum Ziel gelangt?

Weil wir ver­lernt haben, ein­fach ein­mal Nichts zu tun und uns ein schlech­tes Gewis­sen plagt, wenn wir nicht ziel­ge­rich­tet einer Tätig­keit nach­ge­hen, an deren Ende in irgend­ei­ner Form ein Ergeb­nis steht.  So müs­sen wir auch hier ler­nen, dass am Ende nicht eine vor­zeig­bare Arbeit ste­hen muss, son­dern das Ziel ist, ein­fach in sich hin­ein­zu­hö­ren und das zu malen, was man hört bezie­hungs­weise fühlt.

Wir müs­sen ler­nen, in uns hin­ein und auf uns zu hören, um unsere eige­nen Bedürf­nisse wahr­zu­neh­men und wenn mög­lich, ihnen auch Raum zu geben. Erst so kann der Mensch krea­tiv sein, sich dabei ent­span­nen, um so die Kraft für die an ihn gestell­ten Auf­ga­ben zu erhalten.

Stö­bern Sie dich ein­fach mal auf den Sei­ten von Sabine Fei­ckert und las­sen Sie sich inspi­rie­ren. Hier fin­den Sie Infor­ma­tio­nen zum Beglei­ten­dem Malen für Erwachse und Kin­der und noch viele wei­tere nütz­li­che Tipps zum Bei­spiel in dem Arti­kel: Der Gras­halm wächst nicht schnelle, wenn man daran zieht!.

http://malen-befreit.de/

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