Vom Mut, eine Probe zu wagen

Schloss an einer Tür in der Burg Hohenwerfen, Österricht

Schloss

Ein König stellte für einen wich­ti­gen Pos­ten den Hof­staat auf die Probe. Kräf­tige und weise Män­ner umstan­den ihn in gro­ßer Menge.

Ihr wei­sen Män­ner”, sprach der König, “ich habe ein Pro­blem, und ich möchte sehen, wer von euch in der Lage ist, die­ses Pro­blem zu lösen.”

Er führte die Anwe­sen­den zu einem rie­sen­gro­ßen Tür­schloss, so groß, wie es kei­ner je gese­hen hatte.
Der König erklärte: “Hier seht ihr das größte und schwerste Schloss, das es in mei­nem Reich je gab. Wer von euch ist in der Lage, das Schloss zu öffnen?”

Ein Teil der Höf­linge schüt­telte nur ver­nei­nend den Kopf.

Einige, die zu den Wei­sen zähl­ten, schau­ten sich das Schloss näher an, gaben aber zu, sie könn­ten es nicht schaf­fen. Als die Wei­sen dies gesagt hat­ten, war sich auch der Rest des Hof­staa­tes einig, die­ses Pro­blem sei zu schwer, als dass sie es lösen könn­ten. Nur ein Wesir — in den isla­mi­schen Staa­ten ein Minis­ter — ging an das Schloss heran.

Er unter­suchte es mit Bli­cken und Fin­gern, ver­suchte, es auf die ver­schie­dens­ten Arten zu bewe­gen und zog schließ­lich mit einem Ruck daran. Und siehe, das Schloss öffnete sich.

Das Schloss war nur ange­lehnt gewe­sen, nicht ganz zuge­schnappt, und es bedurfte nichts wei­te­res als des Mutes und der Bereit­schaft, beherzt zu handeln.

Der König sprach: “Du wirst die Stelle am Hof erhal­ten, denn du ver­lässt dich nicht nur auf das, was du siehst oder was du hörst, son­dern setzt sel­ber deine eige­nen Kräfte ein und wagst eine Probe.”

- Ori­en­ta­li­scher Mythos –