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Lernen ohne Hetze
Nervt Sie diese Stoppuhr beim Lesen? Man kann nichts in Ruhe machen!
Die meisten von Ihnen, die dies hier lesen, kennen es gar nicht anders: Eine Schulstunde hat 45 Minuten — Punkt. Nach 45 Minuten ist diese Stunde zu Ende und es beginnt ein anderes Thema oder ein anderes Fach.
90 Minuten ist schon eine Innovation, denn man ignoriert das fünfundvierzig-Minuten-Klingeln und arbeitet einfach weiter.
Meist ist das in der Grundschule im Sachunterricht oder im Kunstunterricht so.
Das kenne ich auch noch aus meiner Ausbildung und es hat sich bis heute noch nicht wirklich geändert.
Die Stundenplanung beinhaltet in der Regel eine Stundenverlaufsplanung, in der minutiös angegeben ist, was in welcher Minute passieren soll.
Einerseits ist das natürlich ein Gerüst, an dem man sich mit seiner Unterrichtsplanung entlang hangeln kann.
Anderseits achtet man ständig auf die Zeit, wird nervös, wenn man für eine Sache länger braucht als geplant, und lässt viele Dinge nicht zu, die sich ohne Zeitdruck entwickelt hätten.
Bis heute bin ich dankbar dafür, dass ich schon während meiner Ausbildung einen Fachleiter, Herrn Gammersbach, hatte, der weg von diesem Raster führte und ermutigte, die Stundenplanung doch mit einer MindMap zu machen.
Dabei bin ich bis heute geblieben und habe immer wieder feststellen dürfen, wie flexibel und umfassend man ein Thema mit einer MindMap planen kann — auch den Unterrichtsverlauf.
Kurz nach meinem Referendariat kam ich an eine Schule, eine Montessori-Grundschule, an der es keine Klingel kam. Der Rektor, der dies eingeführte hatte, war Hans Elsner, von dem ich in der folgenden Zeit noch viel lernen durfte.
Freiarbeit bis zur Pause und diese wurde von der Klasse selbst bestimmt. Da es häufig die Regel, dass man länger als neunzig Minuten Freiarbeit machte. In ganz seltenen Fällen aber auch kürzer. Dies wirkte sich immer positiv auf die Arbeitsweise und Ruhe in der Klasse aus, denn es gab keine Hektik und jeder Schüler hatte Zeit genug, den Lernstoff für sich zu erarbeiten, zu verstehen und anderen zu erklären.
Diese intensive und langandauernde, eigenmotivierte Arbeitsweise hat Projekte wie zum Beispiel die Mittelalterstadt-Köln erst möglich gemacht.
Gerade heute, in einer schnelllebigen Zeit, in der man von einem Event zum nächsten titscht, um ja nichts zu verpassen, ist das Arbeiten in Ruhe und ohne Zeitdruck die einzige Möglichkeit, Sachverhalte zu erschließen und Kompetenzen zu entwickeln.
Etwas in Ruhe zu Ende bearbeiten und nicht, wie beim Fernsehen ungeduldig hin und herschaltend, sondern Zeit haben, bis man für sich selber weiß, jetzt habe ich es fertig gemacht, ist Grundlage einer Entwicklung: Weg von einer Arbeitsblattflut und hin zum selbstständigen Lernen — ein Leben lang.
Links
MindMap zum Thema Wasser ist Leben (Schriftgröße bitte auf 150% einstellen)
Köln im Mittelalter
Kinder helfen Kindern lernen
Altersgemischter Unterricht in der Grundschule
Freiarbeit, Wochenplan und neue Eingangsstufe NRW
Voraussetzungen für eigenverantwortliches und lebenslanges Lernen
Methode oder Technik?
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