Weihnachtsmann

Tru­mann Capote, welt­weit berühm­ter Autor, erin­nert sich in einer hüb­schen Geschichte sei­ner Kind­heit. Er schrieb sie zwei Jahre vor sei­nem Tod:

Als Schei­dungs­waise wächst der Junge in Ala­bama auf, in einem gro­ßen Haus auf dem Land. Mit Tan­ten und Onkeln, Vet­tern und Cou­si­nen. Beson­ders lieb ist ihm eine ältere, weiß­haa­rige Cou­sine, der ruhende Pol in sei­nem auf­re­gen­den Jun­gen­le­ben: Fräu­lein Sook.

Fräu­lein Sook ist von einer tie­fen, hei­te­ren, urtüm­li­chen Fröm­mig­keit, fast wie ein gro­ßes Kind. “Alles, was geschieht” — so ihre ste­hende Rede­wen­dung — “ist des Herrn Wille.”

Sook ist es auch, die dem Jun­gen vom Weih­nachts­mann erzählt: “…von sei­nem wal­len­den Bart, sei­nem roten Man­tel, sei­nem klin­gen­den, mit Geschen­ken bela­de­nen Schlitten.”

Aus der ver­trau­ten Kin­der­welt wird er her­aus­ge­ris­sen: Sein Vater wünscht, er solle Weih­nach­ten bei ihm in New Orleans ver­brin­gen, über fünf­hun­dert Mei­len ent­fernt. Eine Schre­ckens­nach­richt. Denn der Vater ist ihm ganz fremd geblie­ben. Der Junge will nicht. Und dann die Weih­nacht. Da beob­ach­tet der Kleine den Vater heim­lich, wie er in der Nacht Päck­chen unter dem Baum arran­giert — der Vater also!

Das Ende des Traums.

Der Abschied vom Vater ist kühl. Zu Hause in Ala­bama, beim Schla­fen­ge­hen, im dunk­len Zim­mer erzählt er Sook alles. Sie trös­tet ihn: Natür­lich gibt es den Weih­nachts­mann. Er ist nur sehr über­las­tet und des­halb hat der Herr die Auf­gabe auf uns alle ver­teilt.“
– Tru­man Capote

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