Zeugnis ohne Noten

By | 25. Juni 2010
Zeugnisformular

Zeug­nis­for­mu­lar

Wenn man den Pres­se­mel­dun­gen glau­ben darf, so plant die neue Regie­rung in NRW die Abschaf­fung der Kopfnoten. Kopfnoten, die vor noch nicht allzu lan­ger Zeit ein­ge­führt wor­den sind und für hef­tige Dis­kus­sio­nen gesorgt hatten.

Gut, wenn die neue Lan­des­re­gie­rung die Kopf­no­ten abschafft, so würde ich mir wün­schen, dass gerade im Zei­chen von „län­ge­rem, gemein­sa­men Ler­nen” und „Inklu­sion“, Noten grund­sätz­lich, zumin­dest in der Grund­schule, kom­plett ver­schwin­den würden. Die Gründe für die Abschaf­fung der Noten habe ich vor den Halb­jah­res­zeug­nis­sen hier aus­führ­lich besprochen.

Aber was spricht für ein Zeug­nis ohne Noten?

Ein Zeug­nis ohne Noten ist viel dif­fe­ren­zier­ter und spie­gelt den augen­blick­li­chen Stand des Schü­lers viel genauer wieder.

Ein Zeug­nis ohne Noten beschreibt die erwor­be­nen Kom­pe­ten­zen und stellt Posi­ti­ves in den Vordergrund. Dies bestärkt, beflü­gelt und gibt Selbst­be­wusst­sein, sich an neue Sachen her­an­zu­trauen, sie aus­zu­pro­bie­ren und Dinge zu erforschen.

Ein Zeug­nis ohne Noten ver­zich­tet auf eine Defi­zit­be­schrei­bung, zeigt aber gleich­zei­tig erreich­bare Nah­ziele auf, die wie­derum der Wei­ter­ent­wick­lung des Schü­lers dienen.

Ein Zeug­nis ohne Noten drückt mehr Wert­schät­zung für den Schü­ler aus und doku­men­tiert diese Wert­schät­zung auch durch Ver­weis auf Erreich­tes und erwor­bene Kompetenzen.

Ein Zeug­nis ohne Noten hat nicht den Sinn zu sor­tie­ren und so die kurz­fris­tige, wei­tere Schul­lauf­bahn zu bestim­men, son­dern ist Grund­lage der wei­te­ren Unter­stüt­zung für den Schüler.

Ein Zeug­nis ohne Noten erfasst auch die soziale Dimen­sion des Ler­nens, unter­stützt die Ent­wick­lung zur Team­ar­beit und nicht die zu kon­kur­renz­be­zo­ge­nem Ler­nen, Arbei­ten und Handeln.

Nur ein Zeug­nis ohne Noten kann dem för­der­ori­en­tier­ten Leis­tungs­be­griff gerecht wer­den und das Kind indi­vi­du­ell in sei­ner Ent­wick­lung zu unterstützen.

Es stärkt die Moti­va­tion, da ohne Angst vor Miss­er­fol­gen und der damit ver­bun­de­nen sozia­len Fol­gen gelernt wer­den kann. Durch die Stär­kung in das Ver­trauen der eige­nen Leis­tung, das Selbst­ver­trauen des Kin­des, wird letzt­end­lich die Leis­tungs­be­reit­schaft, die Leis­tungs­an­stren­gun­gen und die Leis­tungs­fä­hig­keit unterstützt.

Suche nicht nach Feh­lern, suche nach Lösun­gen.” — Henry Ford –

Wer nach Lösun­gen sucht, macht Feh­ler, muss Feh­ler machen. Dies gehört zum Lern­pro­zess, zum Erfor­schen und For­schen. Feh­ler sind nichts Schlim­mes, son­dern durch­aus Posi­tiv zu sehen. Wir brau­chen auch eine „Ich-darf-Fehler-machen-Kultur“.

Ein Zeug­nis ohne Noten kos­tet nichts, bewirkt aber viel!

Möglich­kei­ten der Leis­tungs­be­wer­tung ohne Noten wer­den ich dem­nächst hier aufzeigen.

One thought on “Zeugnis ohne Noten

  1. Bernd Othmer

    Ein Zeug­nis ohne Noten kos­tet nichts, wirk­lich? Erfor­dert es nicht einen min­des­tens drei­fach höhe­ren Ein­satz an Empa­thie und Zeit für den Leh­rer? Sind Noten (oder Punkte) nicht auch Hilfs­mit­tel hin­ter deren Pseu­doob­jek­ti­vi­tät sich der Leh­rer ver­ste­cken kann?

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