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Törööööööööööö! Oder wie ich zum Hörbuch kam.

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Ich erinnere mich noch genau an Benjamin Blümchen und verschiedene andere Helden aus den Kindertagen meiner Kinder.
Ich kann noch ganze Bücher heute auswendig, so oft habe ich sie vorlesen müssen und wehe, ich habe mich einmal vertan! Laute Proteste und sofortige Korrekturen waren die Folge!
“Heute backt der Kasper Kuchen, denn der Bär kommt ihn besuchen. Der Bär kommt aber nicht allein, es bringt den Tiger und das Schwein.” So beginnt das Buch „Kasper Mütze“ von Janosch.

Damals gab es noch Kassetten.
Kassetten waren so rechteckige, recht dünne Schachteln mit zwei Spulen darin, auf denen das Trägerband wie beim Tonband aufgewickelt war.
Diese Kassetten konnte man dann in den Kassettenrekorder oder auch ins Autoradio schieben und hören. Ab und an gab es Bandsalat, der unter großer Hektik und mit lautem Fluchen entwirrt wurde, meist aber mit der Zerstörung des Bandes endetet.

Musik hören war zu dieser Zeit sicherlich noch eine Herausforderung im Gegensatz zu den heutigen einfachen Möglichkeiten.

Zu dieser Zeit war es bei Kindern sehr beliebt, solche Kassetten mit Geschichten zu hören.
Wir hatten auch solche Kassetten und auf einer Fahrt zu den Großeltern nach Süddeutschland standen wir sieben Stunden im Stau und hatten nur eine Kassette dabei. Diese musste immer und immer wieder gehört werden und es wird nicht verwundern, dass mir Suizidgedanken durch den Kopf schossen, wenn ich wieder hörte: Törööööööööööö! Tööööröööööööööööö!

So lange ich mich erinnern kann, war ich von Büchern umgeben.
Kein Platz, an dem ich gesessen habe und an dem kein Buch lag.
Dann aber geschah etwas, was wohl vielen Menschen passiert – das Längenwachstum der Arme konnte leider nicht mit der beginnenden Alterskurzsichtigkeit mithalten, sie waren schlich zu kurz und eine Brille als Hilfsmittel musste her.

Hilfsmittel sind aber nun mal nur eine Krücke und irgendwie kam ich nicht damit zurecht. Erstens waren die Brillen, von denen ich innerhalb kürzester Zeit eine große Anzahl besaß, trotzdem nicht dort, wo ich sie benötigte. Die Sucherei begann, nervte und der Lustfaktor zu lesen, bewegte sich dann gegen null. Zweitens begannen bei längerem Lesen – manchmal habe ich überlegt, ob das vielleicht mit dem Lesestoff zusammenhing – Kopfschmerzen, die zum sofortigen Ende des Lesens führten.

Wohlgefühlt habe ich mich aber so ganz ohne Buch und Lesen nicht. Irgendwie vergleichbar mit dem Leben eines Eunuchen. Umgeben von schönen Frauen, aber des Werkzeugs beraubt.
So war und bin ich umgeben von vielen Büchern, lese aber nur noch, wenn es sich nicht vermeiden lässt.

In dieser Situation viel mir ein Prospekt mit Hörbüchern und Hörspielen in die Hände. Interessiert blätterte ich darin und suchte unbewusst nach meiner Brille, weil mich etwas interessierte, ich das aber aus oben beschriebenen Gründen nicht lesen konnte.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe die Brille gefunden und las voller Interesse eine Rezension über ein Hörspiel, das vom WDR produziert, das Buch von Ken Follett „Die Säulen der Erde“ beschrieb.

Historisches hat mich schon immer sehr interessiert und so entschloss ich mich, da ich auch eine mehrstündige Autofahrt vor mir hatte, mir diese sechs Kassetten zu kaufen und bei dieser Fahrt zu hören.

Ein paar Tage später war es dann so weit. Ich legte die Kassetten in der richtigen Reihenfolge auf den Beifahrersitz, der bei dieser Fahrt nicht benötigt wurde. Froh war ich, dass ich beim Autoradiokauf ein paar Mark – damals gab es auch noch die D-Mark – ausgegeben und meine Autoradio eine Autoreverse-Funktion hatte, die dafür sorgte, dass am Bandende automatisch die Laufrichtung gewechselt und die andere Seite des Bandes abgespielt wurde. Dann noch das Radio so eingestellt, dass das Abspielen des Bandes bei Verkehrsnachrichten unterbrochen und anschließend wieder fortgesetzt wurde.

Das Hörspiel war klasse und übertraf meine Erwartungen bei Weitem. Seit dieser Zeit bin ich mit dem Hörbuch-Virus infiziert und bin bei allen Tätigkeiten, die mich intellektuell nicht wirklich fordern, nicht mehr ohne Hörbuch anzutreffen.

Egal ob es nun das Training in der Mucki-Bude ist (Musik würde nur die Ausführung behindern, da man sich dem Takt anpasst) oder auch bei Fahrradtouren.

Ja, ich weiß, beim Fahrradfahren darf man keine Ohrhörer benutzen! Das wird mir zumindest immer wieder gesagt, aber belegen kann das niemand. Wenn dem so wäre, dürfte ich im Auto auch kein Radio hören. Es ist immer eine Frage der Lautstärke, denn ich der Straßenverkehrsordnung steht, dass man die Lautstärke so einstellen muss, dass man die Umgebungsgeräusche noch hören kann (Martinshorn usw.).

Inzwischen höre ich nicht nur Hörspiele, Hörbücher verschiedener Genres, sondern auch Fachliteratur. Manchmal sitze ich sogar im Sessel, stecke die Stöpsel in die Ohren, setze die Lesebrille auf, schließe die Augen, lehne mich bequem zurück und lese!

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