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Weihnachtsüberraschung

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„Mama, ich habe einen Weihnachtswunsch an dich!“
Fragend sah sie ihren Sohn an. Noch ein Geschenk? Eines hat er sich doch schon gewünscht. Sie zog die Augenbraue leicht hoch und sah in fragend an.
„Keine Sorge“, hörte sie ihn sagen, „das kostet nichts. Ich wünsche mir, dass du an Heiligabend zum Abendessen Wild zubereitest.“
Auch das noch, schoss es ihr durch den Kopf. Er weiß doch, dass ich nicht gerne koche. Letztlich will ich das nicht. Das wird mir alles ein bisschen zu viel.
„Ja, das mache ich für dich!“, sagte sie und sah das Lächeln im Gesicht ihres Sohnes, der sich mit den Worten verabschiedete: „Bis Heiligabend, Mama!“, und schon durch die Türe verschwunden war, bevor sie irgendetwas erwidern konnte.

Puh, machte sie nicht nur in Gedanken und erstellte innerlich eine Liste, was alles in den nächsten Tagen zu erledigen war.
Die Wohnung musste blitzeblank geputzt sein. Das war immer so. Sie kannte die prüfenden und missbilligenden Blicke der Mutter, wenn etwas nicht so war, wie es ihren Prinzipien entsprach.
Einen Weihnachtsbaum musste sie ebenfalls noch kaufen. Sie mochte zwar geschmückte Weihnachtsbäume, aber in ihrer Wohnung war es im Grunde viel zu eng. Geschmückt werden musste er auch noch und wie lange es allein dauerte, bis man ihn richtig im Ständer befestigt und an den Platz gebracht hatte.
Geschenke mussten ebenfalls noch besorgt werden. Und die Einkäufe. Die vorhandenen Kühlmöglichkeiten reichten für den Alltag aus, nicht für drei Tage und die Familie.

Auf in den Großkampftag an Heiligabend, dachte sie und hätte sich am liebsten auf den Stuhl gesetzt und laut losgeheult. Wäre dieses scheiß Weihnachten doch schon vorbei! Aber, es half nichts.
Ich habe keine andere Wahl, sagte sie sich und erhob sich mühsam mit einem tiefen Seufzer.

Gerade hatte sie das Putzwasser vorbereitet und die Utensilien fürs Fensterputzen geholt, als das Telefon klingelte. Auch das noch, dachte sie, ging unentschlossen zum Telefon und hob zögerlich ab.
Sie hatte sich noch nicht gemeldet, als ihr schon ein Fröhliches: Hallo, Mama! Aus dem Hörer ans Ohr drang.
„Ich warte auf dich!“, sagte sie in den Hörer. „Du wolltest mir beim Putzen helfen. Ich habe schon alles vorbereitet und wollte gerade anfangen!“
„Deshalb rufe ich an, Mama! Es tut mir leid, aber ich kann nicht kommen und dir helfen. Musst du leider alleine machen. Habe gerade meine Freundin Franzi getroffen und die muss zum Arzt und hat niemanden, der auf Ben aufpasst. Nicht böse sein, aber du siehst, es geht nicht!“
Scheiße, dachte sie, jetzt habe ich das doch wieder einmal alles alleine an der Backe.
„Ist in Ordnung, Angelika!“ hörte sie sich sagen und beendete das Gespräch.
Tränen standen ihr in den Augen. Langsam bewegte sie sich zu ihrem Putzeimer zurück.

Plötzlich durchzuckte sie eine verrückte Idee. Eine Idee, die so ungewöhnlich und verwegen war, dass schon der Gedanke daran ihren ganzen Mut erforderte.

Leichtfüßig summend tänzelte sie zu ihrem Putzeimer zurück, als das Telefon neuerlich klingelte.
Sie verdrehte die Augen, ging aber leicht beschwingt zum Telefon.
„Petermann“, meldete sie sich.
„Christa, hier ist deine Mutter“, hörte sie es aufgeregt aus dem Hörer tönen. „Du musst mir helfen!“ sagte ihre Mutter fordernd in den Hörer. Genau der Tonfall, der ihr unmissverständlich klar machte, dass ein Nein nicht gelten würde.
„Mir geht es gerade nicht so gut und du warst doch sicher noch nicht einkaufen. Komm doch vorher bei mir vorbei und hol dir meinen Einkaufzettel ab. Da stehen alle Sachen drauf, die du abholen musst. Bestellt und bezahl ist alles. Du kannst mir die Sachen anschließend vorbeibringen! Bis gleich!“ damit war das Gespräch beendet.

Sie setzte sich erst einmal hin und holte tief Luft.
Jetzt reicht‘s mir, dachte sie und zum zweiten Mal war dieser verwegene Gedanke da.

Es mag Zufall gewesen sein. Auf die Minute genau traf sich die Familie vor der Haustüre an dem Wohnhaus, indem Christa wohnte.
„Gott sei Dank, dass ich endlich hier bin!“, bemerkte Oma, als sie ihren Rolllator an die Seite schob. „Diese Kälte macht mir so zu schaffen!“
„Ich klingele schon einmal!“, sagte Angelika und ging die fünf Stufen hoch. Gerade als sie den Finger auf den Klingelknopf legen wollte, sah sie einen kleinen Umschlag, der neben dem Klingelschild befestigt war. Neugierig sah sie ihn an. Familie Petermann stand darauf.  Sie riss ihn ab und öffnete ihn.
„Schaut einmal!“, sagte sie und schwenkte den Briefumschlag. Der scheint für uns zu sein. Sie faltete das Blatt auseinander und begann zu lesen. Nach den ersten Zeilen hörte sie auf. Das müsst ihr hören“, murmelte sie ungläubig.

Liebe Mama, liebe Kinder,

es ist alles vorbereitet. Die Zutaten für das Essen befinden sich im Kühlschrank. Der Tannenbaum steht im Keller. Der Baumschmuck befindet sich direkt daneben. Den Schlüssel zur Wohnung bekommt ihr von meiner Nachbarin, Frau Schlüter. Es steht einem schönen Heiligabend für euch nichts im Wege!

Das Baumschmücken und das Kochen werden euch sicherlich Spaß machen. Räumt bitte hinterher auf, damit mich nicht der Schlag trifft, wenn ich zurückkomme.

Mama, wenn es dir nicht sauber genug ist, der Putzeimer und das Putzzeug findest du in der Abstellkammer in der Küche.

Ich denke an euch, wenn ich auf der Liege am Pool liege, und freue mich, euch im neuen Jahr in die Arme schließen zu können.

Ich drücke euch und wünsche euch ein schönes Weihnachtsfest!

In Liebe
Mama Christa

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