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Das Gras wächst nicht schneller …

Posted in Bildung, Nachdenkliches, Schule, and Standpunkt

Wegweiser weiterführende Schule
Wegweiser weiterführende Schule

Kaum hat das Jahr angefangen, geht der Ärger auch schon los. Nein, nicht für jeden, sondern nur für Schüler des 4. Schuljahres, deren Noten nicht so sind, dass sie ohne Haken und Ösen das Gymnasium besuchen können. So die Prognose.
Die Gespräche über die weitere Schullaufbahn sind schon vor Weihnachten geführt worden, denn die Tage der offenen Tür beginnen in den Gymnasien häufig zeitnah nach den Herbstferien. Konkurrenz belebt das Geschäft, das merkt man auch in diesem Bereich.

Das hat natürlich Auswirkungen auf Schüler, Eltern und Lehrer.
Am Ende des 3. Schuljahres habe ich des Öfteren den Spruch gehört: Im nächsten Schuljahr beginnt der Ernst des Lebens, denn dann entscheidet sich, auf welche Schule du gehen wirst.
Das hört sich fast wie eine Drohung an und ist eher dazu angetan Verunsicherungen auszulösen, statt sich froh und voller Elan aufs Lernen zu stürzen.
Bei den Eltern kann in dieser Zeit eine vermehrte Aktivität bei den Haus- und Übungsaufgaben beobachten werden, weil sie selbstverständlich ihr Kind unterstützen wollen. Im gleichen Maße kann man bei Kindern ab einem gewissen Zeitpunkt Abwehr und Widerwillen beobachten.
Die alte Weisheit: „Druck erzeugt Gegendruck“ wird hier nicht beachtet. In manchen Fällen beginnt ein Teufelskreis zwischen zu viel Unterstützung, Erwartungshaltung bei den Eltern, aber Abwehr und Widerspruch bei den Kindern. Meist ist eine Verbesserung der Noten in den folgenden Arbeiten auch nur kurzfristig zu erkennen, bevor sich die alten Werte einstellen.
Denkt man darüber nach, ist schnell klar, dass das auf Dauer nicht gut gehen kann. Jeder, der Leistung bringen möchte und soll, benötigt entsprechende Ruhephasen und positive Bestärkung.

Warum aber werden die Noten so wichtig? Warum muss es zu diesem Zeitpunkt unbedingt das Gymnasium sein?
Die erste Frage ist rasch beantwortet. Die Noten sind entscheidend für die Aufnahme im Gymnasium. An ihnen wird der mögliche Schulerfolg prognostiziert. Die Lebenserfahrung zeigt zugegebenermaßen, dass es sich hierbei nicht um ein verlässliches Kriterium handelt. Zum einen fällt die Entscheidung mindestens ein halbes Jahr vor dem Wechsel, was viel Zeit für Entwicklung lässt. Andererseits gibt es einige Möglichkeiten in unserem Schulsystem, die den Wechsel oder besser, den Erwerb des Abiturs zu jeder Zeit möglich machen. Der Weg ist in diesem Fall nicht immer so komfortabel, da der Schulbesuch zum Arbeitsleben hinzukommen kann. Machbar ist es und diese Option wird häufig genutzt. Andere Wechsel, zum Beispiel von der Realschule aufs Gymnasium sind ebenfalls eine Option. Der Besuch einer Gesamtschule unterstützt die kindliche Entwicklung dadurch, dass keine direkte Zuordnung zu einer Schulform erfolgt und sukzessive im Gleichschritt mit der Entwicklung die Entscheidung mit Schüler und Eltern getroffen wird, wie die Schullaufbahn fortgesetzt wird.
Kein Grund also, so fixiert auf den Übergang nach dem 4. Schuljahr zu schauen. Entwicklung benötigt ebenso Zeit wie das Lernen. Ein Kind, das nicht den direkten Weg zum Abitur geht, dabei aber glücklich ist, wird sicherlich diesen Zustand mit Lernen verknüpfen.

Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. Gelassenheit bei allen Zukunftssorgen, die Eltern in Hinsicht auf ihre Kinder plagen, ist Gelassenheit der richtige Weg.
Es soll Fälle geben, in denen Menschen auch ohne Abitur glücklich geworden sind, ein selbstbestimmtes Leben führen und beruflich Erfüllung gefunden haben.

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