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Ein leidiges Dauerthema: Sinn und Unsinn von Hausaufgaben!

Posted in Inklusion, Lernen, Medienkompetenz, Nachdenkliches, Offener Ganztag, Organisation, and Standpunkt

Ein leidiges Dauerthema: Sinn und Unsinn von Hausaufgaben!
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Hausaufgabe ist ein leidiges Thema, das turnusmäßig diskutiert wird, sich aber nichts grundsätzlich ändert.

Das ist schade, denn die veränderten Schulbedingungen sollten im Grund auch eine veränderte Hausaufgabenstellung zur Folge haben. Besser noch, es wird eine ganz andere Form der Hausaufgabenstellung gefunden und etabliert. Noch besser, wenn der Begriff „Hausaufgaben“ dazu auch verschwindet und das Negative dieser Vokabel damit auch.

Geänderte Schulbedingungen erfordern eine andere Hausaufgabe! Klick um zu Tweeten

Mit Einführung durch die Länder und Annahme des offenen Ganztages durch die Eltern konnte ich ein neues Problem wahrnehmen, das es vorher in dieser Form nicht gegeben hat. An einer Brennpunktschule, an der ich gearbeitet habe, konnte eine Leistungsdifferenz zwischen den Kindern, die den offenen Ganztag besuchten und denen, die nach wie vor nach dem Unterricht nach Hause gingen, festgestellt werden.

Dies lag vor allem daran, dass die wichtige Übungsphase, die Sinn der Hausaufgabe ist, fehlte. Während Schüler des offenen Ganztags diese Übungsphase hatten, da täglich individuell mit ihnen Hausaufgaben gemacht wurden, fehlte sie bei den anderen Kindern.

Hier sind wir bei der Frage angekommen, warum Hausaufgaben sinnvoll sind. Nämlich immer dann, wenn sie eine Übungsphase an das am Morgen gelernte beinhalten.
Die Beherrschung des Einmaleins, das weiß jeder, ist eine Frage der Übung. Ohne Übung bleibt es immer eine Addition, die jeweils bei 1x* anfängt. Gleiches gilt bei der Festigung der Rechtschreibung, die zum Teil durch regelmäßiges Lesen verbessert wird. Nicht durch leises vor sich hin lesen, sondern durch lautes Vorlesen. Nur hier bemerkt man die Leseungenauigkeiten und kann, wenn etwas nicht klar ist, mit dem Zuhörer besprechen und klären. Die ist besonders wichtig bei Kindern, deren Muttersprache nicht Deutsch ist oder einer bildungsfernen Schicht (welch grausamer Begriff) zugerechnet werden. Gleichzeitig prägt sich die Schreibweise der Wörter ein.

Übung macht den Meister, sagt ein altes Sprichwort, das sich in vielen Dingen bestätigt. Um zum Beispiel einen Schlag beim Tennis automatisiert ausüben zu können, muss man ihn circa 10.000 Mal wiederholt haben.

Übungshausaufgaben in diesem Rahmen „Hausaufgabe“ halte ich für sinnvoll, obwohl man auch hier andere Wege gehen kann, wie ich in einem Artikel von 2008 unter der Überschrift: “Der Offene Ganztag und die Hausaufgaben an einer Brennpunktschule” beschrieben habe.

Projektarbeit statt Hausaufgabe - im Ganztag realisierbar. Klick um zu Tweeten

Heute bin ich der Meinung, dass bis auf oben beschriebene Übungen die Hausaufgabe eine Projektarbeit sein sollte, die in der Grundschule in die Stundentafel eingeordnet werden muss, fester Bestandteil wird und im besten Fall durch die Lehrer betreut würde.
Das hätte aus meiner Sicht den Vorteil, dass so die individuelle Förderung fortgesetzt werden könnte, die während des Unterrichts zum Standard gehört. Außerdem würde in solchen Projekten das gesamte Spektrum mindestens des Fächerkanons der Grundschule und noch mehr angesprochen.

Voraussetzung ist allerdings, dass die Vorgehensweise bei Projektarbeit mit den Schüler geklärt worden ist.
Wie ein Projektablauf aussehen kann, habe ich in “Kompetenzen gehen verloren” beschrieben und verzichte aus diesem Grund hier auf weitere Ausführungen.

Förderung aller Schüler, nicht nur Defizitförderung! Klick um zu Tweeten

Auch den Computer und das Internet kann man in solche Projekte einbinden.
Die Projektpräsentation, die am Ende stehen sollte, ist noch einmal besonderer Anreiz und übt die Vortragsfähigkeit.
Der Fokus sollte bei diesen Projekten nicht auf Defizitförderung liegen, sondern besonders auf den Stärken eines Schülers.
Die “Defizit-” als auch “Normale-” und “Hochbegabtenförderung” sind dann automatisch Bestandteil eines solchen Projekts. Defizite werden von den Schülern während der Arbeit ausgeglichen, ebenso wie Hochbegabte ihre Anforderungen erhalten. Alle Schüler profitieren, da sie sich untereinander am höheren Leistungslevel orientieren.

Dazu ein Zitat von Maria Montessori, das sich immer wieder in meiner langjährigen Tätigkeit als Lernbegleiter und Schulleiter bestätigt hat:

“Der Weg, auf dem die Schwachen sich Stärken, ist der gleiche wie der, auf dem die Starken sich vervollkommnen.”

Ich möchte Sie vielmehr ermutigen, eigene Konzepte, angepasst an die Situation Ihrer Schule, zu entwickeln. Es kann nichts schief gehen, außer, dass man plötzlich bemerkt, wie die Schüler ihre Lernfreude (wieder)finden und sie mit Spaß bei der Sache sind.

Freuen würde es mich, wenn Sie mich über eigene Schullösungen in Kenntnis setzen würden. Danke!

 

Hier noch weitere Infos zu den Hausaufgaben:

“Bestimmungen des Schulgesetzes finden Sie in § 42 Abs. 3 und § 65 Abs. 2 Punkt 11 SchulG. Weitere Regelungen zu Hausaufgaben finden Sie unter Nr. 4 des RdErl. d. Ministeriums für Schule und Weiterbildung vom 05.05.2015 „Unterrichtsbeginn, Verteilung der Wochenstunden, Fünf-Tage-Woche, Klassenarbeiten und Hausaufgaben an allgemeinbildenden Schulen“ (BASS 12 – 63 Nr. 3).”

Schulministerium NRW

“4.
Hausaufgaben 4.1 Grundsätze Hausaufgaben sollen die individuelle Förderung unterstützen. Sie können dazu dienen, das im Unterricht Erarbeitete einzuprägen, einzu- üben und anzuwenden. Sie müssen aus dem Unterricht erwachsen und wieder zu ihm führen, in ihrem Schwierigkeitsgrad und Umfang die Leistungsfähigkeit, Belastbarkeit und Neigungen der Schülerinnen und Schüler berücksichtigen und von diesen selbstständig ohne fremde Hilfe in den in Nummer 4.4 genannten Zeiten erledigt werden können. Sie dürfen nicht dazu dienen, Fachunterricht zu verlängern, zu ersetzen oder zu kompensieren oder Schülerinnen oder Schüler zu disziplinieren. Die Lehrkräfte berücksichtigen beim individuellen Hausaufgabenumfang, ob die Schülerinnen und Schüler insbesondere durch Referate, Vorbereitungen auf Klassenarbeiten und Prüfungen und andere Aufgaben zusätzlich gefordert sind.”

Wikipedia

Hausaufgaben oder Schularbeiten (in Österreich offiziell Hausübungen, umgangssprachlich auch Hausaufgaben) sind Aufgaben des Lehrers an die Schüler, die diese in der unterrichtsfreien Zeit bearbeiten sollen. Sie dienen der Nachbereitung des erteilten Unterrichts oder der Vorbereitung des bevorstehenden Stoffes. Hausaufgaben helfen bei der Übung und Festigung des Schulstoffes, stärken die Arbeitshaltung der Schüler und fördern ihre Eigenverantwortlichkeit. Hausaufgaben werden in der Regel nur in Halbtagsschulen erteilt. Umfang und Schwierigkeitsgrad sind meistens in Bestimmungen vorgegeben.

Hausaufgaben können zu Belastungen der häuslichen Situation führen. Zur Hausaufgabenbetreuung werden teilweise Nachhilfelehrer beauftragt. Durch die Kosten für die Nachhilfe kann die soziale Lage den Schulerfolg lernschwacher Schüler beeinflussen.

Im weiteren Sinne bezeichnet man als Hausaufgaben auch andere selbstverantwortlich zu erledigende Verpflichtungen im Haushalt.

 

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