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Eine Stunde auf dem Rad erlebnisreicher als für manche ein ganzer Tag.

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Eine Stunde auf dem Rad erlebnisreicher als für manche ein ganzer Tag.
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Grauer Himmel, wolkenverhangen. Kein blaues Fleckchen zu sehen. Die Luftfeuchtigkeit liegt bei nahe einhundert Prozent und schlägt sich immer wieder als feiner Nieselregel nieder. Dazu eine Temperatur von fünf Grad und leichter Süd-Ost-Wind. Im Grunde ein Wetter, wo man gerne im Bett bleiben würde und sich wünscht, dass dieser trübe Tag bald vorüber ist und die Sonne wieder scheint.

Leider kann man nicht immer so wie man gerne möchte. Ich musste nach Rodenkirchen und entschloss mich, um nicht steif vor lauter Bewegungslosigkeit zu werden, mit dem Rad durch den Weißer Bogen zu fahren.

Viel los wird nicht sein, bei dem Wetter, dachte ich und setze mich aufs Rad.

Es war wenig los. Radfahrer sind mir auf den zwanzig Kilometern hin und zurück gerade mal drei begegnet. Jogger waren es auch nicht mehr, dazu noch fünf Spaziergänger. Wenige, denn bei schönem Wetter ist die Verkehrsdichte hier auf dem kombiniertem Rad-Fußweg so hoch, dass ich es vermeide, ihn zu benutzen.

Die Spaziergänger waren allerdings nicht aus Spaß an der Freude unterwegs, sondern weil ihre Hunde Auslauf brauchten. Um auch an solchen Tagen vor die Türe zu kommen, ist ein Hund sicherlich als Motivationshilfe nicht zu verachten. Den inneren Schweinehund, der manchmal mit mir kämpft, ist ganz schon stark. Ihn zu besiegen ist alles andere als einfach. Manchmal wünsche ich mir auch einen Hund als Motivationshilfe.

Nervend ist es allerdings, wenn die Frauchen und Herrchen ihre Hunde nicht im Griff haben, Hunde nicht auf den Ruf hören und im Grunde machen was sie wollen. Solche Begegnungen hatte ich mehrfach heute.

  1. Vier gleichzeitig ausgeführte Hunde eines Halters gleichzeitig und keiner hörte auf sein Herrchen, der die Leinen alle um den Hals liegen hatte. Trotz vorsichtiger Annäherung musste ich dann auch noch voll in die Bremsen und absteigen, um so einen Köter nicht zu überfahren und vielleicht sogar zu fallen. Mag sein, dass Sie das Wort „Köter“ stört. Mich stört es auch. Aber in diesem Moment war es halt die Vokabel meiner Wahl. Das angesprochene Herrchen fühlte sich auch noch im Recht und beanspruchte für seine Hunde die gesamte Breite des Leinpfades. Mit solchen Leuten kann man nicht diskutieren.
  2. Ein anderer Halter mit zwei Hunden, einer davon war so eine kleine französische Dogge. So ein Hund, den ich immer mit einem Mops verwechsele. Der kläffte mich an lief neben mir her, sprang, da ich langsam fuhr und ihn nicht überfahren wollte, vor mir her. Sein Herrchen blies die Flöte, von leise bis laut, von ruhig bis wütend, aber sein Hund hörte nicht. Schließlich wartete ich ab, bis er wieder neben mir lief und trat in die Pedale. Er war zwar erstaunlich flott, konnte aber nicht mithalten. Die Beine sind halt doch sehr kurz und die Luft wird er auch nicht in erforderlichem Maße durch die kleine Nase und das kleine Maul bekommen. Hinter mir pfiff das Herrchen immer noch auf seiner Hundepfeife.
  3. Ein besonderes Ärgernis im Weißer Bogen ist die Pferdescheiße, die zwischendurch immer wieder in großen Haufen auf dem Weg liegt. Fährt man dort unversehens hinein, so wird man doch sehr abrupt abgebremst, was zu einem Sturz führen kann. Ich verstehe zwar, dass Reiter manchmal auf den Rad-Fuß-Weg ausweichen, weil die Reitwege zu nass sind, sie sollten dann aber doch bitte schön die Hinterlassenschaft ihres Tieres zumindest in Gebüsch befördern. Hundebesitzer haben immer Tüten dabei, in die sie das Häufchen packen.
  4. Die Fahrt hat dafür gesorgt, dass die Lungen gut mit frischer Luft durchlüftet waren. Als ich dann auf Grün an der Ampel Kölnstr. / Sürther Hauptstraße wartete, hielt hinter mein Transporter auf dessen Ladefläche lauter Grünzeug war. Ein Landschaftsgärtner vermute ich. Aus dem Auspuff kam ein dermaßen widerlicher Gestank, der mich, obwohl ich vor dem Auto war, bald komplett eingehüllt hat. Es ist nicht sehr angenehm, wenn die Auspuffanlage oder die Motoreinstellung nicht in Ordnung ist und man dermaßen eingenebelt wird, dass der Hustenreiz einsetzt. Als die Ampel Grün wurde, fuhr ich an und hoffte, dass er hinter mir rechts oder links abbiegen würde. Wie immer, wenn ich mir so etwas wünsche, wird der Wunsch nicht erfüllt. Er fuhr wie ich geradeaus und überholte mich. Nebelte mich so noch einmal zum Abschied richtig ein und dieses Mal musste ich husten. Obwohl er inzwischen fünfzig Meter vor mir war, konnte ich den Auspuffausstoss gut erkennen.
  5. Dann ab in den Grüner Weg. Dort ist auf der rechten Seite ein Kindergarten. Aus der Parklücke kam gerade so ein kleiner Familien SUV. Eine Mutter, die gerade ihre Kinder abgeholt hatte. Da ich noch nicht schnell war passte das. Auf der schmalen Straße, die auf einer Seite zugeparkt war, kam noch ein Fahrzeug entgegen. Das Auto vor mir wurde langsamer. Mmmmhhh, die traut sich nicht vorbei, dachte ich und verlangsamte meine Fahrt ebenfalls. Der entgegenkommende Pkw wurde auch langsamer. Als die vorderen Seitentüren auf einer Höhe waren, hielten beide Fahrzeuge an. Die Seitenscheiben fuhren herunter und die Damen begannen in aller Ruhe mit einem Gespräch. Eine Fahrradklingel ist einfach zu leise, als dass sie gegen dieses Geschnattere etwas ausrichten könnte. Also ab über den Bürgersteig. Absteigen, Rad anheben, aufsteigen, weiter.

Für insgesamt eine Stunde Fahrzeit habe ich doch recht viel erlebt und dazu lange Zeit etwas für meine Gesundheit getan. Die kleinen Hindernisse sind schon vergessen, wenn man zehn Meter gefahren ist. Trotzdem wäre es schön, wenn manche Menschen nicht so gedankenlos wären. 

Wer mit dem Rad fährt, kann immer was erleben. Und wenn man mal nichts erlebt, war es eine ruhige und entspannende Fahrt mit schönen Landschaftsbildern.

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