Direkt zum Inhalt

Endlich wieder mit dem Rad unterwegs! Leider nicht störungsfrei.

Posted in Fahrrad, Köln, Nachdenkliches, and Politik

   93 Tage nach meinen Fahrradsturz, den ich am 7. Januar 2015 hatte, war das heute die Premiere. Zwar gehe ich seit vierzehn Tagen wieder regelmäßig jeden zweiten Tag in die Muckibude und habe dort ein leichtes Training aufgenommen, aber mit dem Rad bin ich noch nicht unterwegs.

   Heute war es so weit. Mit meiner Tochter gemeinsam bin ich bis zum Neumarkt und anschließend wieder zurück gefahren. Insgesamt zwar »nur« fünfzehn Kilometer und kein Vergleich mit den Strecken, die ich vor dem Unfall gefahren bin, aber immer hin wieder ein Anfang! Das macht mich stolz!

   Noch habe ich noch nicht alle Unfallfolgen überwunden, aber das war ein großer Schritt für mich, der mich motiviert und beflügelt.

   Aber, wie leben in Köln und fahren dort auch mit dem Rad. Ich will hier gar nicht von den Fußgängern berichten, die auf ein freundliches Klingelzeichen hin nicht bereit sind, auch nur einen halben Schritt zur Seite zu gehen. Das ist Alltag und sicherlich überall zu finden, auch wenn ich ein solches Verhalten nicht verstehe.

   Die Fahrt war richtig schön. Die Sonne wärmte und ließ den Rhein glitzern. Ein Radfahrer, den wir überholten, sang voller Inbrunst vor sich her und wiegte sich mit dem Fahrrad hin und her. Jedem, der in so sah, huschte ein Lächeln ins Gesicht.

   Am Schokomuseum ging es über die Drehbrücke auf den Radweg, der parallel zur Rheinuferstr. verläuft und vor dem Tunnel wieder auf die Promenade geführt wird.
An dieser Stelle wäre es fast zu einem Zusammenstoß zwischen einer Radfahrerin und mir gekommen, weil wir uns erst im letzten Moment sehen konnten. Wären wir nicht beide so vorsichtig gefahren, wäre ein Unfall höchstwahrscheinlich unvermeidlich gewesen.

   Grund war ein LKW der AWB (Abfallwirtschaftsbetriebe der Stadt Köln) der dort stand. Sein Ladeflächenaufbau war mit einer blickundurchlässigen Plane abgedeckt.

   Gerade auf der Rheinuferpromenade muss man nicht nur ständig mit Fußgängern rechnen, deren Weg nicht vorausberechenbar ist, es parken häufig Pkws und Lkws dort. Bei den Lkws, die die Schiffe beliefern, ist mir der Parkgrund einsichtig. Bei den Pkws sehe ich diesen Grund nicht.

   Ich habe mein Rad kurz abgestellt, weil ich den Fahrer auf dieses durch den Lkw verursachte Sichthindernis aufmerksam machen wollte. Er hatte die Scheibe heruntergedreht und sprach mit einem älteren Herr. Wie sich im Laufe des Gespräches herausstellte, war das einmal sein Chef.

   Das Gespräch:

»Guten Tag! Darf ich Ihnen gerade etwas sagen?«

Der Fahrer nickte und der ältere Herr trat einen Schritt zurück, um mir die direkte Kommunikation zu ermöglichen. Beide schauten mich gespannt und voller Erwartung an.

»Es wäre gerade fast zu einem Unfall gekommen, weil Ihr Lkw die Sicht versperrt. Dort ist der Radweg, der hier wieder auf die Promenade geführt wird und wie Sie sehen, ist hier nicht nur durch Radfahrer Gegenverkehr, sondern auch durch Fußgänger.«

»Das kann ich mir nicht vorstellen!«

»Dann steigen Sie doch gerade mal aus, ich zeige Ihnen dann, wie die Sicht genommen wird.«

»Das kann ich mir nicht vorstellen!«, erwiderte er wieder.

»Kommen Sie doch einfach kurz und schauen Sie sich das aus der Sicht der Radfahrer an, die vom Radweg kommen.«

»Ich fahre eh gleich weg.«

»Gut, dann werde ich Fotos von dem Lkw machen. Möglicherweise wird die AWB die Richtlinien für das Parken von Betriebsfahrzeugen überarbeiten, wenn dort die Bilder eintreffen..

»Aber kein Foto von mir!«

»Nein, von Ihnen mache ich kein Foto!«

Sichtbehinderung durch AWB Lkw
Sichtbehinderung durch AWB Lkw

   Damit war das Gespräch beendet. Es war nicht unfreundlich und in keine Weise aggressiv, wie man es sonst so häufig erleben kann, wenn man einen Fahrer anspricht. Aber spürbar einsichtig war der Fahrer nicht. Nicht einmal bereit, sich die Sache außerhalb seiner Fahrerkabine anzusehen. Ich weiß nicht, ob das Sturheit ist, Arroganz oder einfach nur eine Du-kannst-mich-mal-Haltung ausdrücken soll.

Die weiteren, meist kleineren Hindernisse, die ich während der Fahrt erleben durfte,

Sichtbehinderung durch AWB Lkw
Sichtbehinderung durch AWB Lkw

will ich hier nicht ausführen. Die scheinen amtlicherseits als das Gewürz in einem Kölner Fahrradfahrerleben eingestreut zu werden, damit die Aufmerksamkeit nicht nachlässt. Das gelingt auf diese Art und Weise auch hervorragend. ;-)

   Was mich dann aber tatsächlich ärgerte, waren die beiden Lieferwagen, die in ihrer ganzen Pracht und raumgreifend, weil die Ladung teilweise auch noch neben dem Wagen stand, auf dem Radweg vor der alten Liebe standen. Einzeln kam man gerade noch an diesen Hindernissen vorbei.

Dieses Vorgehen bei der Belieferung kann auch nicht die Lösung sein!

Auch, wenn es ist ja nur um einen Fußgänger- und Radweg handelt.

   Fußgänger und Radfahrer sind rechtlos und haben sich dem Diktat des Autos zu beugen.  Das scheint zumindest bei vielen Autofahrern die Denkweise zu sein.

   Etwas mulmig war mir dann, als ich vom Leinpfad in die Barbarastr. einbog. Hier ist hier das Fahren gegen die Einbahnstraße für Radfahrer freigegeben. Es ist allerdings sehr, sehr eng. Außerdem hatte ich dort meinen Unfall.

Aber auch das habe ich gemeistert und muss sagen, die Fahrt war schön. Endlich wieder Rad fahren!

Teilen via:
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.