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Geld ist nicht alles …

Posted in Lernen, Nachdenkliches, Schule, and Standpunkt

… auch nicht in der Bildung!

Berechnungen, wie sich was entwickelt, wenn man Geld in die Bildung pumpt, tauchen an vielen Stellen in den Medien und im Internet auf.

Richtig
, es ist ausgesprochen wichtig, dass wir für eine vernünftige Schulbildung für unsere Kinder sorgen, damit sie auch in der Globalisierung gut aufgestellt sind, aus eigener Kraft ein selbstbestimmtes Leben führen können und nicht zuletzt auch die Pflichten übernehmen können, die sie durch den Generationenvertrag erhalten.

Richtig, in die Schule gehört Geld und das nicht zu knapp.
Allein die Tatsache, dass der Betrag seit Jahren gleich ist, der Grundlage für die Lehrmittelfreiheit ist, ist schon ein Skandal. Denn trotz neuer Aufgaben und sich dadurch erhöhender Ausgaben ist dieser Betrag auch in diesem Jahr wieder nicht angepasst worden.
Lehrmittel für ein neues Fach Englisch müssen von den Schulen angeschafft werden und durch die Einführung von Englisch ab dem 1. Schuljahr müssen die vorhandenen Lehrwerke für die folgenden Schuljahre erneuert werden. Hinzu kommt, dass die Bücherpreise beständig steigen und schon deshalb ein Ausgleich dringend erforderlich ist.

Auch an anderen Stellen in der Schule gibt es sicherlich noch großen und berechtigten Finanzierungsbedarf. Aber, wie einleitend gesagt: Geld ist nicht alles!

Wichtig ist das Mittragen der Paradigmenwechsel in den Richtlinien und Lehrplänen der Länder durch Eltern, Lehrer und alle an Schule beteiligten Personen und das Umsetzen von individueller Förderung und individuellem Lernen an unseren Schulen.

Weg von Schule, wie Sie sie kennen und hin zu Schule, in der jedes Kind individuell gefördert wird!

Schule vor hundert Jahren
Schule wie vor hundert Jahren - Bergisches Museum

Früher, als ich zur Schule ging, gingen mit mir über fünfzig andere Kinder in die gleiche Klasse. Die Sitzbänke standen in Reihen hintereinander. Gruppentische gab es nicht. Der Lehrer betrat die Klasse und alle Kinder standen auf und durften sich nach einem „Guten Morgen“ auf Zeichen des Lehrers wieder hinsetzen.

Meist musste man das Buch aufschlagen und der Lehrer sagte, mit welcher Aufgabe man sich beschäftigen musste. Ab und an wurde ein Schüler an die Tafel gerufen und musste zum Beispiel eine Aufgabe vorrechnen. Dadurch und manchmal auch durch die Fehler, die dieser Schüler machte, lernte man dann diesen Aufgabentyp zu lösen.

Später wurden die Klassen kleiner und die Sitzordnung wurde eine andere: Gruppentische wurden eingeführt und die Kinder bekamen Arbeitsblätter, die sie an einem Gruppentisch gemeinsam lösen sollten.

Faule Säcke
Alles wurde ein wenig liberaler und der Lehrer wurde in seiner Kompetenz und seinem Ansehen durch Äußerungen wie „Lehrer sind faule Säcke!“ demontiert.

Das Schulrecht wurde weiter liberalisiert und Mitbestimmung durch die Eltern bekam eine völlig neue Gewichtung. Ob das so richtig ist, wage ich manchmal zu bezweifeln, denn kein Wirtschaftsunternehmen würde sich durch Laien zum Beispiel in der Auswahl der zu nutzenden Werkzeuge reinregend lassen. In Schule ist das so, denn die Schulbücher, die benutzt werden dürfen, unterliegen der Zustimmung der Schulkonferenz, dem höchsten Gremium der Schule, das sich aus der gleichen Anzahl Eltern wie Lehrer zusammensetzt. In weiterführenden Schulen gehören auch Schüler der Schulkonferenz an.

Wirklich viel hat sich nicht geändert!
Der Lehrer gestaltet den Unterricht und richtet sein Tun in der Regel am mittleren Leistungsniveau der Klasse aus. Das ist gleichzeitig die Selektionsgrundlage für die weiterführende Schule, in die am Ende des 4. Schuljahres die Schüler wechseln.
Differenzierende Maßnahmen wie zum Beispiel schwerere Aufgaben für leistungsstärkere und –schwächere Schüler, manchmal auch eine äußere Differenzierung wie Förderunterricht oder Teilnahme am Unterricht einer anderen Klasse oder Lerngruppe gehören ebenfalls zum methodisch-didaktischem Repertoire.
Zu Lernendes wird dann meist mittels Arbeitsblättern an die Schüler weiter gegeben.

Das hat allerdings nichts mit individuellem Lernen oder individueller Förderung zu tun, denn das ist etwas ganz anderes.

Ein Beispiel:
Kleinkinder beginnen irgendwann, aber zu unterschiedlichen Zeitpunkten zu krabbeln und zu laufen.
Es nützt wenig, wenn man ein Kind hinstellt und es zum Laufen animieren will, denn es lässt sich sofort wieder auf den Boden sinken, wenn man es loslässt. Der Prozess des Laufenlernens beginnt in dem Moment, in dem das Kind von alleine versucht auf die Füße zu kommen und zu stehen. Eltern reichen dem Kind dann in der Regel die Hand, um diesen Vorgang zu erleichtern.

Das ist individuelle Förderung.

Ist der Prozess abgeschlossen, setzt sofort der Nächste ein, denn das Kind beginnt damit, seine Welt aus einer anderen Perspektive zu erkunden und seinen Aktionsraum wesentlich zu erweitern. Dadurch stößt es wieder auf Dinge, die es zu entdecken und zu erforschen gilt. Das ist dann meist die Phase, in der Eltern die Treppen mit einem Gitter absichern, damit das Kind nicht die Treppe runter fallen kann.
Das ist eine Grenze, die den Fähigkeiten des Kindes angemessen ist und einen Orientierungsraum schafft, den es zu erkunden gilt und den das Kind nach eigenen Interessen erobern wird. Sobald das Kind diesen erforscht und seine motorischen Fähigkeiten geschult hat, wird diese Sperre wieder entfernt.
Der Aktionsradius wird erweitert und bieten dem Kind Gelegenheiten wieder Neues zu erforschen und zu lernen. Dieses Prozedere wiederholt sich in ähnlicher Weise immer wieder und wird den Fähigkeiten des Kindes angepasst.

Genau das ist in der Schule ebenfalls möglich, wenn festgefahrene Wege verlassen werden und den Bedürfnissen der Kinder Rechnung getragen wird.

Dazu ist es allerdings wichtig, dass alle an Schule beteiligten Personen eigene Schulerfahrungen als Maßstab für Schule heute zurückstellen und nicht die Anzahl der pro Tag zur Verfügung gestellten Arbeitsblätter der Maßstab für eine gute Schule ist.

Wenn ein Kind damit beginnt, das Lesen zu lernen, so fällt dies am Anfang gar nicht auf.
Es zeigt auf Buchstaben und fragt nach, ob es der Buchstabe ist. Es kennt irgendwann die Buchstaben des eigenen Namens, nachdem es schon Mama und Papa kennt. Es fragt, steht da ??? und verblüfft irgendwann dadurch, dass es kleine, lautgetreue Wörter lesen kann.

Ist ein größeres Geschwisterkind schon in der Schule, so bleibt dieser Prozess meist im Verborgenen. Jüngere Geschwister sitzen bei den Hausaufgaben, hören interessiert zu und spielen manchmal auch Schule.
Ohne große Anstrengung und ohne dass die Eltern es bewusst verfolgen konnte, hat das Kind auf diese Art und Weise das Lesen gelernt.

Dies ist übrigens ein Grund, warum altersgemischtes Lernen so vorteilhaft für die Lernprozesse aller Kinder ist. Dazu aber an anderer Stelle mehr.

Jedes Kind will lernen
Diese Phasen werden von jedem Kind durchlaufen, aber zu unterschiedlichen Zeitpunkten. So kann es sein, dass ein Kind, wenn es in die Schule kommt, schon lesen kann. Warum sollte es dann – wie es früher häufig üblich war – den kompletten Leselernprozess noch einmal durchlaufen? Es würde sich langweilen, stören und, was viel schlimmer ist, dauerhaft die Lust am Lernen verlieren.

Hier das Kind individuell zu fördern, kostet erst mal kein Geld, sondern kann allein dadurch geschehen, dass man die Fragen des Kindes beantwortet und es – ähnlich wie beim Laufen lernen – unterstützt.

Unterstützen heißt allerdings nicht, wenn das Kind nach einem Buchstaben gefragt hat, sich mit ihm hinzusetzen und das Alphabet zu üben. Denn das wäre eine Überforderung. Kinder lassen klar erkennen, wann sie die Unterstützung benötigen!

Das Erste, was für die individuelle Förderung wichtig ist, ist das Vertrauen ins Kind und Hilfen zur Verfügung zu stellen, wenn diese benötigt werden.

Auch in der Schule gelingt individuelle Förderung und selbstbestimmtes Lernen, wenn ein vertrauensvolles Klima zwischen allen beteiligten herrscht, ein offener Dialog gepflegt wird und der Lehrer sich als Helfer und Moderator versteht und dem Kind, wenn es denn dann nötig ist, mit Hinweisen bei der Lösung eines Problems hilft.

Ganz im Sinne von Maria Montessori Beobachtungen: Hilf mir, es selbst zu tun!
Dazu muss die Schule sich nicht einmal in Richtung Montessori-Pädagogik ausrichten.

SBW Haus des Lernens – Der Lernvirus

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