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Hindernisse, das Salz in der Suppe für Radfahrer?

Posted in Fahrrad, Köln, and Nachdenkliches

  Rückschauend sage ich: »Es war eine meiner kürzeren Fahrten!« Sie ging von Köln-Sürth bis zum Niehler Hafen und dann wieder zurück. Insgesamt eine Strecke von gut 40 Kilometern.

  Die gesamte Strecke, die ich heute gefahren bin, gehört zum internationalen Rheinradweg. Dieser führt, wie es der Name ausdrückt, den Rhein entlang. Von der Quelle bis zur Mündung.

  Ich bin extra von Sürth aus gestartet, da ich dort gestern Abend den Eindruck hatte, als sei ich einer Gefahrenstelle nur knapp entkommen.

  Der Weg von Sürth Richtung Köln führt durch den Weißer Bogen. Ein Überschwemmungsgebiet, das den Fluten des Rheins etwas Raum gibt und so bei geringen Hochwässern nicht die Stadt trifft. Ein wunderschönes Gebiet, das durch seine Ursprünglichkeit zu jeder Jahreszeit ein schönes Bild abgibt. Hinzu kommt, dass man weite Strecken direkt am Rhein entlang fährt.

  Von Sürth kommen, fuhr ich also in den Weißer Bogen ein. Der Weg entfernt sich dort vom Rhein, sodass man den Fluss auch im Herbst und im Winter, wenn Büsche und Bäume kahl sind,  nicht mehr sehen kann.

  Dort teilt sich auch der Weg, denn es gibt einen benutzungspflichtigen Radweg. Diesen bin ich vor einem halben Jahr letztmalig gefahren und habe ihn als nicht fahrbar eingestuft. Schlaglöcher von gefährlicher Tiefe. Links und rechts vom Radweg kleine Randgräben. Diese waren ursprünglich nicht da, sind aber meines Erachtens durch Bodenverdichtung und Wasser entstanden. Ein kleiner Fahrfehler und man rutscht mit dem Rad ab. Ein Sturz ist unausweichlich. Die Kanten des Radweges sind teilweise ausgefranst. Da der Radweg schmal und in beiden Richtungen benutzungspflichtig ist, ist hier schon großes fahrerisches Können nötig, um bei Gegenverkehr nicht zu verunfallen. Durch die Entlaubung der Bäume, wie sie in jedem Herbst stattfindet, ist der Radweg, da er nicht geräumt ist, nicht zu erkennen.

  Also nahm ich den »Hauptweg«, der eine angenehme Breite hat und Platz für sich begegnende Radfahrer, Fußgänger und Jogger bietet. Interessanterweise befand sich auf dem Weg kaum Laub. Er ist wohl geräumt worden. Ich war demnach auf der sicheren Seite, wenn ich diesen Weg benutzte.

  Es war dämmerig und die Fahrradbeleuchtung eingeschaltet. Ein helles Licht mit 70 Lux leuchtete den Weg aus, den ich mit flotter Fahrt befuhr. Niemand sonst zu sehen. Kein Fußgänger, kein Jogger und somit auch kein Hund, der plötzlich den Weg kreuzen konnte. Plötzlich sah ich etwas Laub auf dem Weg und dann einen recht großen Haufen, der sich auf der rechten Seite meiner Fahrspur befand. Ich konnte gerade noch ausweichen, denn wäre ich in diesen Haufen gefahren, hätte dies sicherlich einen abrupten, ungewollten Stopp meiner Fahrt zur Folge gehabt. Der Puls ging nach diesem Manöver schon etwas schneller, wie meine Pulsuhr mir verriet.

Laubhaufen auf dem Weg - für Radfahrer sehr gefährlich
Fahrradbremse

Als im im Hellen dort heute vorbei fuhr, wurde mir meine Vermutung bestätigt. Ich hätte diese Menge an Laub nicht durchfahren können, und wäre ungewollte gestoppt worden. Das perfide an solchen Hindernisse ist nicht, dass sie da sind, sondern, dass man nicht mit ihnen rechnet. Kein Mensch käme auf die Idee einen Laubberg auf einer Straße aufzuschichten, in das ein Auto fahren würde und gestoppt würde. Ich frage mich, warum ist das auf solchen Wegen so?

  Die ganz alltätlichen Hindernisse, wie Autos auf dem Radweg, lasse ich einfach weg.
Ein Motorboot auf dem Hänger in Rodenkirchen auf dem Radweg hat allerdings was Besonderes. Ebenso wie der parkenden Lieferwagen und der SUV, die beide hintereinander auf dem Radweg an der Alten Liebe parkten. Das Fahrzeug am Fährhaus, das rückwärts an einen Liefereingang herangefahren war und so nur eine schmale Durchfahrt direkt hinter der Kurve offen lies, gehört ebenfalls zum Alltag eines Radfahrers. Ich ärgere mich zwar jedes Mal darüber, habe aber keine Lust auf körperliche Auseinandersetzungen und das Anzeigen hat für mich noch was mit Denunziation zu tun. Sicherlich ist diese Denkweise nicht richtig, aber wer kann schon aus seiner Haut heraus?

  In einer immer aggressiver werdenden Welt muss man manchmal etwas  vorsichtiger sein. Es scheint häufig nicht mehr zu gelten: »Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus!«. Sondern auch ein freundlich gesprochener Hinweis schützt nicht mehr vor aggressivem Verhalten des Gegenübers.

  Ich entschloss mich den Radweg zu nehmen der parallel zur Rheinuferstraße führt und nicht auf der Promenade an den Kranhäusern vorbeizufahren. Die Weihnachtsmärkte sind eröffnet und erfahrungsgemäß kann man dann nicht am Schokomuseum vorbei fahren.

Begrenzungspfahl auf dem Radweg kurz vor der Severinsbrücke in Fahrtrichtung Norden
Begrenzungspfahl

Unter der Severinsbrücke stehen schmale Poller, die Autofahrer davon abhalten sollten auf den Geh- oder Radweg zu parken. Die die Durchfahrt erschweren sollen. Einer dieser Poller, in Fahrtrichtung rechts, hat einem solchen Versuch wohl nicht standgehalten und war so verbogen, dass er schräg in den Radweg hinein zeigt.
Wenn man ihn früh genug sieht, kein Problem. Kommt ein anderer Radfahrer aus Norden entgegen und sind unter Umständen noch Fußgänger dort unterwegs, so kann dieser Pfahl der Aufmerksamkeit entgehen. Ein Zusammenstoß mit dem Pfahl oder ein Hängenbleiben an ihm kann durchaus schmerzhafte Folgen haben.

  Ein Stück weiter dann der Hafenweihnachtsmarkt.
Der Fußgängerweg ist mit  Weihnachtsbuden bis auf die Grenze des Radweges zugebaut. Auf der anderen Seite die Busspur für die Touribusse, die die Besucher zu den Weihnachtsmärkten karren. Dazu noch die Bimmelbahn, die auf dem Stück neben dem Radweg hält und ihre Fahrgäste ein- und aussteigen lässt.

Radweg zu Fußweg
Fußweg und Überquerungsgebiet

Der Radweg ist an dieser Stelle nicht nur Fußgängerweg, sondern gleichzeitig auch Übergang vom und zum Weihnachtsmarkt. Eine alternative Route ist nicht ausgeschildert. Dies wäre meiner Meinung nach nötig, denn die sich anschließende Rheinufer-Promenade ist in diesen Zeiten mit dem Rad nicht mehr befahrbar. Im Grunde gibt es auf dieser Nord-Süd oder auch Süd-Nord-Achse keinen alternativen Weg. Im Innenstadtbereich sind weitere Weihnachtsmärkte und ein Durchkommen fast so fragwürdig wie auf der Rheinufer-Promenade selbst.

  Eine Alternative wäre es, die rechte Fahrspur im Rheinufertunnel für Radfahrer freizugeben, sodass auch diese Verkehrsteilnehmer ungehindert ihr Ziel erreichen können.

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