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Morgens um acht lebt man gefährlich

Posted in Fahrrad, Köln, Nachdenkliches, Rodenkirchen, and Standpunkt

 Zumindest, wenn man Fußgänger ist und in Rodenkirchen wohnt. So ganz stimmt das allerdings auch nicht, denn man lebt als Fußgänger den ganzen Tag gefährlich in Rodenkirchen. Morgens um acht und mittags um zwei sind allerdings die Spitzenzeiten des gefährlichen Lebens als Fußgänger.

 Sie haben es schon erahnt, morgens und mittags sind Schulzeiten. Morgens der Beginn und mittags das Ende.

 Warum lebt man zu diesen Zeiten besonders gefährlich in Rodenkirchen?

 Das ist im Grund einfach zu erklären: Viele Radfahrer nutzen den Bürgersteig vermehrt als Verkehrsweg. Das scheint eine spezielle Art der Verkehrsraumnutzung zu sein, die ich in dieser Art nur auf Sylt erlebt habe. Dort ist sie allerdings erlaubt. Hier im Ort wird kein Bürgersteig durch ein entsprechendes Schild für die Nutzung durch Radfahrer freigegeben.

 Morgens, am Kreisel hinter dem Maternusplatz, dort wo die Polizei ihre Wache hat, fahren viele Radfahrer nicht um den Kreisel herum, sondern kürzen die Strecke ab. Anschließend wird quer über die Straße gewechselt, um anschließend häufig schnell auf dem Bürgersteig weiterzufahren. Nein, ich spreche hier nicht von Kindern, die den Bürgersteig benutzen dürfen. Es sind meist Jugendliche oder Erwachsene, die dieses Verhalten zeigen.

 Noch besser ist es allerdings Ringstr. Ecke Schillingsrotter Str. Bei Rot wird die Abkürzung über den Gehweg fahren, um anschließen die Fahrt in die gleiche Richtung fortzusetzen, ist normal. Meist nur, um an den wartenden Autos vorbeizukommen. Die Fahrt wird anschließend nahe dem rechten Fahrbandrand fortgesetzt, fast schon im Rinnstein. Autofahrer haben keine Mühe, den Radfahrer ohne Spurwechsel zu überholen, wenn sie den Mindestabstand von 1,5 Meter nicht einhalten. Die Radfahrer fahren im Schwenkbereich der sich Möglichweise öffnenden Autotüren. Gefährlicher geht es kaum – ich traue mich nicht, so zu fahren.

 Noch einmal besser ist die Nutzung der Bürgersteige an der Schillingsrotter Str. Richtung Rodenkirchener Ortskern. Auf der rechten Bürgersteigseite, als gegen den Verkehr fahrend, Kinder auf dem Weg zu Gymnasium, gefolgt – ebenfalls auf dem Gehweg fahrend – von ihren Müttern, die die Ranzen transportieren. Auf der anderen Seite wird kurz vor der Ringstr. der Bürgersteig geentert, um über die Ecke abzukürzen, noch ein Stück parallel auf dem Bürgersteig zur Ringstraße zu fahren. Unvermittelt wird im weitern Verlauf der Fahrt auf die Ringstr. gewechselt. Besonders beliebt ist diese Abkürzung nicht nur bei Schülern, sondern auch bei Müttern mit Fahrradanhänger, die ihre Kinder in den Kindergarten bringen. Die Fahrweise im Rinnstein und im Schwenkbereich der Autotüren wird auch hier praktiziert.

 Tagsüber sind es deutlich weniger Radfahrer, die auf dem Gehweg fahren und des Öfteren  durch Klingelzeichen freie Bahn für sich fordern.

 Woran mag das liegen? Sind die älteren Menschen die auf dem Gehweg fahren Fahrrad-Rambos oder Kampfradler, wie rücksichtslos eingestufte Radfahrer häufig genannt werden?

 Sicherlich nicht, denke ich! Manche Radfahrer sind gedankenlos und kürzen die Ecke über den Gehweg ab, auch wenn es dabei ab und zu zu Beinahezusammenstößen mit Fußgängern kommt. Hier würde eine Verwarnung sicherlich einen Umdenkprozess einleiten.

 Ursache ist in den meisten Fällen allerdings die fehlende Infrastruktur für Radfahrer. Die Hauptstr. ist nicht sonderlich breit und meist staut sich der Verkehr in den Spitzenzeiten. Dies liegt sicherlich daran, dass viele Autofahrer nicht bereit sind, einen Meter mehr als unbedingt nötig zu gehen. Lieber wird dort gehalten, wo man hin möchte und die Warnblickanlage eingeschaltet. So kann man auch gleich die Blinkerleuchten kontrollieren. Für Radfahrer gibt es in solchen Fällen kein Durchkommen mehr.

 Ist die Straße frei, so werden die vorgeschriebenen 30 k/mh selten von Autofahrern eingehalten, ebenso wie der Mindestabstand, der beim Überholen von Radfahrern zwingend vorgeschrieben ist.

 Das macht Angst und es wird auf den Gehweg ausgewichen. Zumal dann, wenn der Anspruch des Überholens durch Hupsignal oder erhöhte Motordrehzahl unterstrichen wird.

 Man hat versucht, durch Fahrradschutzstreifen die Situation zu entschärfen. Das ist leider nur in ganz wenigen Fällen gelungen. Meist liegen diese Schutzstreifen im Schwenkbereich der Autotüren und durch die optische Trennung wird der Sicherheitsabstand durch Autofahrer in den seltesten Fällen eingehalten. Die Gefahr für Radfahrer wurde dadurch leider nicht vermindert. Das Gefühl eines Radfahrers, der in solchen Fällen überholt wird, kann nur unangenehm sein. Was macht man also? Man weicht auf den Bürgersteig aus.

 Kontrollen finden nicht statt und der gute alte Schutzmann, wie er früher unterwegs war, scheint leider auch schon lange der Vergangenheit anzugehören. Dieser hätte hier eine besondere Aufgabe und könnte sicherlich bei der Planung der Verkehrsraumnutzung einen wertvollen Beitrag leisten.

 Rodenkirchen ist ein Beispiel dafür, wie sinnvoll es ist, den Verkehrsraum gemeinsam partnerschaftlich und mit gegenseitiger Rücksichtnahme und gegenseitigem Verständnis zu nutzen.

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