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Nachhilfe spaltet die Gesellschaft!

Posted in Bildung, Inklusion, Lernen, Nachdenkliches, Politik, Schule, and Standpunkt

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Vor ein paar Tagen war ich nach meinem Unfall von vor einem Jahr das erste Mal wieder für die Kölner Tafel unterwegs. Für mich persönlich eine große Freude, weil ich der Normalität meines körperlichen Zustandes von vor dem Unfall wieder ein Stück näher gekommen bin.

Mit halbem Ohr höre ich im Radio: Mehr als 85 Euro werden von Eltern im Schnitt für Nachhilfe im Monat ausgegeben.
Mehr als 85 Euro im Schnitt für Nachhilfe im Monat, überlegte ich und dachte gleich an die, die bei dieser Berechnung sicherlich nicht vorkommen würden. Mittel- und Oberschicht zahlen so viel, dachte ich. Was bedeutet das?

Nachhilfe aus Sorge der Eltern um die Zukunft ihrer Kinder. Klick um zu Tweeten

Zum einen spiegelt sich hier sicherlich die Sorge der Eltern um die Zukunft ihrer Kinder. Ohne Qualifikation eine gute zukunftsfähige Ausbildung beginnen zu können, geht nicht. Damit die Kinder zukunftsfähig sind, werden sie schon in jungen Jahren, nicht nur bei schlechten Noten, durch Nachhilfe unterstützt. Zum anderen werden Kinder allein durch die zeitliche Mehrbelastung nicht nur gefördert und gefordert, sondern häufig auch überfordert. Erholungsphasen und Freizeit kommen zu kurz, Stress und Hetze wirken sich auf Dauer mit Sicherheit negativ aus.

Scheitern, wenn mal was nicht klappt, erleben viele Kinder nicht! Klick um zu Tweeten

Was Kinder gar nicht mehr lernen und was zum Lernen und im Leben ebenfalls dazu gehört, ist der Umgang mit Scheitern, wenn einmal etwas nicht klappt oder vielleicht die eigene Leistungsfähigkeit nicht ausreicht. Scheitern ist nicht schlimm, wenn man gelernt hat, damit umzugehen. Hat man es nicht gelernt, wird es seinen psychischen Niederschlag finden.
Die Sorge der Eltern kann ich in diesem Zusammenhang durchaus nachvollziehen, rate allerdings eindringlich zu Gelassenheit.

Was machen Kinder, deren Eltern nicht den notwendigen finanziellen Background haben und sich Nachhilfe im Bedarfsfall nicht leisten können. Sind diese Kinder / Familien die Bildungsverlierer unserer Gesellschaft?

Dies lässt mich auf einen anderen Aspekt eingehen, der durchaus beachtenswert ist: Die schulische Ausbildung. Wenn Nachhilfe inzwischen fast zum Standard gehört, muss auf den Prüfstand, ob Bildung wichtig ist, ob Chancengleichheit nur eine Worthülse ist und ob wir überhaupt ein Schulsystem haben, das Grundlage einer zukunftsfähigen Ausbildung sein kann.

Politik und Bildung, leere Worthülsen und Phrasen für den Wähler? Klick um zu Tweeten

Glaubt man den Worten der Politiker, gibt es nichts Besseres und Wichtigeres als Bildung. Stellen sie das nötige Geld für Bildung bereit?
Sieht man sich die Schulen an, die Gebäude, die Ausstattung, so vermittelt sich sicherlich der Eindruck, hier fehlt es an allen Ecken und Enden. Die Gebäude sind, wenn es gut geht, nur renovierungsbedürftig. Häufig ist das aber nicht mehr möglich, denn es muss saniert werden. Die Ausstattung in den Klassen eher mäßig.
Keine Umgebung in der man sich wohl fühlt, die Lernen unterstützt. Atmosphäre ist wichtig fürs Lernen. Häufig auch hier eine veraltete, abgenutzte Einrichtung. Von medialer Ausstattung kann gar nicht gesprochen werden. Steht ein Computer in der Klasse, ist er häufig eine Spende und sicherlich nicht das neueste Modell. Tablets sind die Ausnahme. Die Einbindung in die Unterrichtsplanung ist schwierig. Es sind einfach zu wenige Geräte, auf die der Lehrer und die Schüler Zugriff haben.
Die methodisch-didaktische Planung scheitert allerdings häufig (wenn die Hardware vorhanden ist) an den nicht vorhandenen Medienkompetenzen der Lehrer.
Drei Worte mit dem Beamer an die Wand zu werfen, statt sie an die Tafel zu schreiben, ist kein Zeichen für Medienkompetenz.

Wenn wir schon bei den Lehrern sind, die sich jeden Tag unter häufig unzulänglichen Bedingungen bemühen, ihren Auftrag zu erfüllen, so überträgt die Politik zwar immer mehr Aufgaben auf Schule, sorgt aber nicht für die personelle Ausstattung und eine angemessene Bezahlung.

Chancengleichheit ist eine Illusion! Klick um zu Tweeten

Chancengleichheit gibt es nicht.
Die Chancenungleichheit beginnt schon mit der Auswahl der Eltern. ;-) Da muss man sich nichts vormachen. Alles andere ist leider nur ein Traum.
Was es aber geben sollte, ist die Möglichkeit Chancen wahrnehmen zu können. Wie soll das allerdings gehen, wenn dies im Wesentlichen vom Geldbeutel der Eltern abhängt?
Wie soll das gehen mit den Kindern der asylsuchenden Flüchtlingen, Hartz-IV-Empfängern und so weiter. Dort ist das Geld nicht vorhanden und die Einsicht, dass Bildung die einzige Chance für die Kinder ist, steht nicht immer im Vordergrund des Denkens und Strebens.
Ist diese Einsicht vorhanden, dass Bildung der Schlüssel für die Zukunft ist, ist Resignation häufig die Folge aufgrund mangelnder Möglichkeiten der Partizipation.

Diese Bedingungen müssen wir berücksichtigen und ändern, wollen wir uns unserer Verantwortung stellen.

Wenn unendliche Milliarden für die Bankrettung in kürzester Zeit zur Verfügung gestellt werden, sollte das auch für Bildung möglich sein. Frau von der Leyen hat mal gerade einen Etat von 135 Milliarden für die Bundeswehr gefordert. Besser investiert ist das Geld meines Erachtens in die Bildung unserer Kinder und somit in die Ausstattung von Schulen in allen Bereichen. Zumindest sollte das gleiche Geld für die Bildung zur Verfügung gestellt werden. Ob in diesem Zusammenhang die Bildung den Ländern weiterhin obliegt, halte ich für fragwürdig.

Unser Schulsystem muss an die Bedingungen der Zukunft angepasst werden. Klick um zu Tweeten

Dazu gehört ebenfalls, dass Schulsystem an die Anforderungen anzupassen.
Es ist sicherlich nicht förderlich, weiterhin den Blick auf die Defizite eines Schülers zu richten, statt seine Stärken zu fördern. So die Lust am Lernen nicht nur aufrechtzuerhalten, sondern zu steigern. Das gibt Stärke und Selbstvertrauen und trägt erheblich zum persönlichen Glück bei. Fehler sind die Grundlage von Lernen und gehören nicht länger verteufelt.

Um Schule anzupassen, muss vieles ohne Vorbehalte neu gedacht werden. Der Ruf nach kleineren Klassen darf nicht die Forderung der Wahl sein, denn die Klassenstärke ist weder relevant für die individuelle Förderung, noch für den Schüler. Letzterem gibt es ein wenig Freiraum, weil er nicht ständig unter der Beobachtung des Lehrers steht.
Ein vielfältiger Mix der Unterrichtsform, Stärkung der Eigenverantwortlichkeit und des selbstbestimmten Lernens muss im Vordergrund stehen.
Die Rolle des Lehrers ändert sich vom allwissenden Zampano vor der Klasse im Frontalunterricht hin zum Lernbegleiter und Helfer, zum Moderator. Das schließt auch Ganztagsunterricht ein. Allerdings nicht ein solch komisches Konstrukt wie es im Moment in offenen Ganztagsschulen in NRW praktiziert wird.

Um das Erreichen zu können, müssen Lehrer von allen möglichen Aufgaben entlastet werden, die nicht sein professionelles Handeln erfordern, wie zum Beispiel die Pausenaufsicht.
Eine Doppelbesetzung in den Klassen ist eine weitere Forderung. Inklusion ist wichtig und gelingt. Allerdings ist sie nicht für jedes Kind im Unterricht einer Klasse möglich, auch das muss angesprochen und akzeptiert werden.

Nutzbare Bildungschancen verhindern das soziale Abseits. Klick um zu Tweeten

Politiker messe ich unter anderem an ihren Aussagen und Taten im Bildungsbereich.
Gelingt es uns nicht, die Voraussetzungen zu schaffen, dass Kinder die Chancen, die ihnen geboten werden, unabhängig vom Geldbeutel ihrer Eltern nutzen können, so wird nicht nur die Vermögensschere immer weiter auseinandergehen, sondern auch die soziale Spaltung vorangetrieben. Ich möchte Letzteres nicht erleben.

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