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Noten sind ja so wichtig!

Posted in Bildung, Inklusion, Lernen, Nachdenkliches, Schule, and Standpunkt

In Günther Jauchs Talkrunde diese Woche, die ich mir normalerweise nicht anschaue, sagte der ehemaligen Kultusministerin Bayerns, Monika Hohlmeier, dass ihre Kinder auf der Waldorfschule waren und dort nach Noten gegiert hätten.

 Es mag sein, dass das so gewesen ist.

Wenn es aber so gewesen ist, so liegen für diese Nachfrage sicherlich andere Gründe vor, als der Wunsch des Schülers nach Noten.

Schüler brauchen keine Note, die ihnen sagt, dass eine Leistung schlecht, mittelmäßig oder gut war.

Schüler kennen ihre „Schwächen“ und ihre Stärken genau.
Sie kennen auch die Präferenzen des Mitschülers.

Noten werden nicht von Schülern benötigt, sondern Noten sind so wichtig, weil Eltern selbst Noten erhalten haben und diese nun ebenfalls als Leistungshinweis bei den eigenen Kindern sehen.

Eltern, Großeltern, Tanten, Onkel und selbst die Nachbarn fragen nach den Noten und klassifizieren ein Kind entsprechend dieser Noten.

„Lieb ist er ja, aber ein bisschen doof! Bringt aus der Schule meist nur 4er und 5er nach Hause! Letztens hat er sogar eine Sechs in Mathematik gehabt!
Sein Bruder ist da ganz anders. Immer nur Einsen und manchmal ein paar Zweien. Der macht seinen Eltern keine Schwierigkeiten. Das ist ein guter Junge!“

„Ja, ja! Aber der andere ist auch ein lieber Junge! Er trägt mir immer so nett die Tüten, wenn er mich nach dem Einkaufen trifft! Schade, dass aus ihm nichts Vernünftiges werden kann – bei diesen Noten!“

Sicherlich ist dieser Dialog erfunden. Aber ehrlich, er hätte so oder in ähnlicher Form im Verwandten- oder Bekanntenkreis eines jeden von uns stattfinden können.

 Im Zweifel für den Angeklagten heißt es vor Gericht.

 Wenn dieser kostbare Grundsatz vor Gericht gilt, warum dann nicht auch in der Schule?

 Jeder, der in der Schule ist oder sie durchlaufen hat, erinnert sich an Klassenarbeiten und den damit einhergehenden Stress; Versagensängsten in unterschiedliche Ausprägung. Von leichter Nervosität bis hin zum Blackout.

Die Hirnforschung zeigt auf, dass das Hirn am besten funktioniert, wenn es Lust zum Lernen hat. Diese Lust setzt wiederum voraus, dass sich der Schüler in einem Umfeld befinden muss, in dem er sich wohlfühlt und das diese Art des Lernens unterstützt. In einem Lernumfeld, das Probleme schafft, an denen man sich „fast“ die Zähne ausbeißen kann und eine Lernumgebung bereitstellt, in der man Dinge im wahrsten Sinne des Wortes begreifen kann und in der Fehler machen ausgesprochen erwünscht ist.

Die allgemeine Lebenserfahrung zeigt doch immer wieder, dass die Noten, die in der Schule Grundlage der Leistungsbewertung waren, nichts über die Lebenstauglichkeit oder den weiteren Lebensweg aussagen.

Selbst mit schlechten Noten kann man sein Leben erfolgreich meistern und mit Einserzeugnissen total im täglichen Leben versagen.

 Warum also ein Festhalten an einem Selektionskriterium, wo wir uns doch eigentlich auf dem Weg zur Inklusion befinden sollten?