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Regeln schaffen Orientierungsräume

Posted in Lernen, Nachdenkliches, and Sachtext

Es ist nun schon eine ganze Weile her, als ich mit einem Kollegen oder einer Kollegin über den Sinn oder Unsinn von Reglen unterhalten habe.

Wir waren uns schnell einig, dass Regeln wichtig sind und Handlungsspielräume, die es zu erkunden gilt, begrenzen und Orientierung in unserer Welt so erst ermöglichen. Ohne Regeln und Grenzen kann man sich kaum orientieren und schwimmt hilflos in einer Welt, die von Regeln bestimmt ist.

  • Regel auf der Straße und im Verkehr.
  • Regeln im Umgang miteinander.
  • Regeln im Umgang mit Gleichaltrigen.
  • Regeln im Umgang mit Erwachsenen.
  • Allgemeine Regeln.
  • Regeln in der Familie.
  • Regeln, die nicht ausgesprochen worden sind.
  • Regeln, die man von anderen Menschen erwartet.
  • Regeln für die Rechtschreibung.
  • Regeln für die Mathematik. Regeln für …

All diese Regeln setzen Grenzen, wie oben schon erwähnt, innerhalb derer die Orientierung einfacher ist und das Erkunden dieser Bereiche erst ermöglicht.

Ein Bekannter erzählte mir dazu eine Geschichte, die ich als schönes Bild empfunden habe und die mir deshalb voller Lebendigkeit immer noch im Gedächtnis ist. Ich weiß nicht mehr, wer mir diese Geschichte erzählt hat und ich weiß auch nicht mehr, auf wen die Geschichte zurückzuführen ist. Sie ist kurz und deshalb möchte ich sie hier erzählen:

Ein Baby, das geboren worden ist, braucht Hilfe und Aufmerksamkeit. Es beginnt aber auch schon damit, seine Welt zu erfassen und zu ergründen. Es lernt dabei das Greifen, weil die Koordination von Auge und Hand durch das Tun immer besser funktioniert und die Motorik durch die Wiederholung der Bewegung und des Greifvorgangs geschult wurde.

Irgendwann beginnt dieses Kind, sich langsam aus der Rückenlage in die Bauchlage zu drehen. Dies gelingt immer besser und die Muskeln, die diesen Vorgang erst ermöglichen, werden ausgebildet und gestärkt.

Nun beginnt das Kind zu krabbeln. Es bewegt sich erst langsam und dann immer schneller durch den Raum. Es beginnt damit, nach Gegenständen zu fassen und sich daran hochzuziehen. Das ist spätestens der Zeitpunkt, an dem die Tischdecke vom Couchtisch genommen und Gläser und ähnliche Gegenstände in die Mitte des Tisches gestellt werden.

Das Kind wird nun nicht mehr alleine gelassen, damit ihm nichts schlimmer passieren kann. Muss man es doch einmal alleine im Raum zurücklassen, so wird ein Laufstall die Schutzfunktion übernehmen und als Grenze fungieren. Das Kind kann hier genauso agieren wie im Zimmer und versuchen, sich hinzustellen. Die Stäbe am Laufstall ermöglichen das selbstständige Hochziehen.

Kann das Kind die ersten Schritte gehen, werden Treppen mit einer Gittertür gesichert, damit das Kind einen größeren Aktionsradius hat, aber sich nicht verletzen kann, weil es versehentlich die Treppe hinab stürzt.

So erfährt es nach und nach, immer parallel zum Erwerb neuer Fähigkeiten, eine Erweiterung der Grenzen und damit einen größeren Aktionsraum. Innerhalb dieser Grenzen kann es seine Welt erforschen, ohne dabei Gefahr zu laufen, sich zu verletzen.

Diese Grenzen findet man in verschiedenen Formen und Ausprägungen ein Leben lang.

Sie können lästig sein. Sie können unsinnig sein. Sie werden übertreten. Sie werden aber immer von der Gesellschaft, uns allen bestimmt und festgelegt und geben so Orientierung und Sicherheit und sind die Grundlage, um Neues zu entdecken und für sich zu erschließen.

Grenzen sind dynamisch und verändern sich und helfen Kindern so, die Welt für sich in kleinen Schritten zu erschließen.

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