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Schule hat begonnen

Posted in Übers Lernen, GU = Gemeinsamer Unterricht, Inklusion, Lernen, Nachdenkliches, Offener Unterricht, Sachtext, Schule, Standpunkt, and Wertschätzung

 Nun sind die ersten eineinhalb Wochen Schule nach den Sommerferien vorbei und für dies ist für mich ein Grund, ein paar Gedanken loszuwerden, bevor sie verloren gehen.

Das ehemalige 4. Schuljahr ist nun ausgestattet mit den besten Wünschen und dem nötigen Rüstzeug im 5. Schuljahr angekommen und die ersten Rückmeldungen sind positiv. Das ist schön, denn das ist Grundlage für Spaß in der Schule und viel wichtiger: Spaß am und beim Lernen.

Die Einschulung der i-Dötzchen ist auch schon fast wieder in Vergessenheit geraten. Über eine Woche Schule lässt doch den Alltag wieder übermächtig werden und Eindrücke und Gedanken vergessen, die eigentlich viel, viel länger nachwirken sollten, denn sie sind nachdenkenswert und wichtig für die tägliche Arbeit mit Kindern.

Voller Neugier und vorbehaltslos in ihrer Freude sahen die Kinder aus, die erst in der Kirche und dann in der Schule einen neuen Lebensabschnitt begannen. Sicherlich auch mit Unsicherheiten und manchmal auch mit Ängstlichkeiten, die diesen Weg begleiteten.

Die Gesichter der Eltern voller Stolz auf den eigenen Nachwuchs, aber auch mit den nun beginnenden Sorgen: Der Ernst des Lebens beginnt, meinen viele und sehen diesen Lebensabschnitt mit einer anderen Gewichtung, als alle anderen Lebensabschnitte vorher.

Der Ernst des Lebens, den die Schule, das Lernen und die Noten bestimmen über den weiteren Erfolg im Leben, die Selbstständigkeit und eigentlich darüber, ob die Kinder autark und mit einem ordentlichen und gesicherten Einkommen ihren Lebensweg weiter gehen, eine Familie gründen und Kinder haben können.

Dabei, und das zeigt sich bei vielen Menschen, sind die Noten in der Schule nicht entscheidend darüber, ob ein Mensch seinen Lebensweg meistern kann.
Die meisten Einsen und der „Titel“ hochbegabt, sind noch lange nicht Garant dafür.

Wenn man die Entwicklung von Kindern bis zu diesem Zeitpunkt betrachtet, so haben sie schon ohne Anleitung und Stundenplan das Wichtigste gelernt. Mit Neugier und Ausdauer, liebevoller Unterstützung der Eltern und einer Freude, die immer wieder dazu anspornte, einen neuen Versuch zu wagen.

Dies habe ich besonders beobachten können, als eine Freundin mit ihrer nun acht Monate alten Tochter bei uns zu Besuch war.

Das Lächeln, nein, das Lachen und die Freude, die das Kind ausstrahlte, wenn es nach dem ich weiß nicht mehr wievieltem Versuch es geschafft hatte, sich am Sofa hochzuziehen und zu stehen. Unsicher und sicherlich noch wenig standfest, aber sie stand und schaute voller Freude in die Runde, ob das auch jeder mitbekommen hat.

Genau diese Freude und dieses Glück sehe ich manchmal noch, zugegeben, nicht mehr so direkt und uneingeschränkt, wenn ich mit einem Kind in der Freien Arbeit sitze und wir gemeinsam eine Lösung entdeckt haben. Oft ist es auch so, dass das Kind eine Lösung entdeckt, die ich bis dahin noch nicht kannte und so vom Lehrer zum Lernenden werde.

Selten sind diese Momente, denn inzwischen hat sich auf viele Kinder die Erwartungshaltung der Eltern übertragen, mit guten Noten nach Hause zu kommen.

Gute Noten als Garant für die Zukunft?

Nein! Meines Erachtens sind die Noten alles, nur nicht Garant für eine gute Zukunft!

Auch eine Hochbegabung oder eine besonders hohe Intelligenz ist nicht automatisch Garant dafür, dass das Leben einfach gemeistert werden wird.

Mit Rückschlägen umgehen, sich nicht entmutigen lassen, neugierig bleiben und teamfähig sein, sind viel wichtiger als eine hohe Intelligenz oder eine gute Note.

Noten pervertieren unser Bildungssystem, das in großen Teilen nicht nur reformbedürftig ist, sonder über Bord geworfen gehört.

Oder was halten Sie von einem Bildungssystem, indem man Nachhilfe benötigt und bekommt in Fächern, in denen man „schlecht“ ist, statt Förderung zu bekommen, wo man gut ist – um Stärken und Begabungen zu fördern?

 Ein Bildungssystem, das es sich leisten kann, Begabungen nicht zu fördern , dafür aber viel Geld dafür einsetzt, „Defizite“ mühevoll und häufig auch erfolglos auszugleichen?

 Ein Bildungssystem, das Neugier, Lernfreude, Teamfähigkeit und Respekt fördert, ist meiner Meinung nach das Bildungssystem, das benötigt wird!

 „When I was 5 years old, my mother always told me that happiness was the key to life. When I went to school, they asked me what I wanted to be when I grew up. I wrote down ‘happy’. They told me I didn’t understand the assignment, and I told them they didn’t understand life.”

― John Lennon

Diesem Zitat von John Lennon, der übrigens auch kein guter Schüler war, ist nichts mehr hinzuzufügen.

 Ich habe gerade dieses Zitat auch auf einer der ersten Seiten des Buches „Jedes Kind ist hoch begabt“ von Gerald Hüther und Uli Hauser gefunden, das in meinem Stapel der noch zu lesenden Bücher ganz oben auf liegt.

 

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