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Stigmatisierung beim Übergang in die Grundschule und weiterführende Schulen

Posted in Bildung, Datenschutz, Nachdenkliches, Schule, and Standpunkt

Sicherlich werden Sie sich fragen, wieso Kinder beim Übergang in die Grundschule und anschließend beim Übergang in die weitere Schule stigmatisiert werden. Im Grunde ist es ganz einfach, wenn man sich anschaut, was in den Wochen oder Monaten vor dem Wechsel passiert.

Schule kennenlernen

Nein, ich meine nicht, dass die Kindergartenkinder in die Grundschule kommen, um dort ihre Klasse oder die Lehrerin kennenzulernen. Ebenso nicht die Hospitationstag an weiterführenden Schulen für Viertklässler. Das sind Maßnahmen, die manchen Kindern den Übertritt erleichtern, das Unbekannte und damit die Angst davor nehmen. Es ist das, was vorher auf der Erzieher-Lehrer-Ebene oder Lehrer-Lehrer-Ebene passiert.

Datenaustausch

Vor dem Übertritt vom Kindergarten und der Grundschule treffen sich die Erzieherinnen und die Lehrer. Meist in einem großen Kreis und wenn feststeht, welche Klasse das Kindergartenkind in der Grundschule besuchen wird, die Lehrerin dieser Klasse und die Erziehrin des Kindes. 

Dort wird besprochen, welches Verhalten das Kind im Kindergarten gezeigt hat, welche Schwierigkeiten es hatte, auch welche Verhaltensauffälligkeiten sich gezeigt haben. 

Erwartungshaltungen

Wenn das Kind also in die Schule kommt, erwartet die Lehrerin ein Kind mit den vorher von der Erzieherin genannten Verhaltsweisen und häufig auch Auffälligkeiten. 

Das Kind hat so kaum noch die Chance, unbelastet und frei in die Schule zu gehen, um sich dort zu zeigen, wie es als Schulkind ist.

Erfahrung zeigt, das eine Stigmatisierung stattfindet

Erfahrungsgemäß, so ist zumindest meine langjährige Erfahrung, verhalten sich Kinder anders, wenn sie in die Schule kommen. Die von den Erzieherinnen benannten Auffälligkeiten zeigenn sich in der Regel nicht. Das heißt sicherlich nicht, dass die Erzieherin etwas Falsches gesagt hat. Aber erstens liegen zwischen Austausch und Schuleintritt im Minimum vier Wochen, in denen sich gerade in der Entwicklung eines Kindes viel getan haben kann und zum zweiten ist das Verhalten häufig auch Gruppenabhängig. 

Zu diesen Einschätzungen kommen noch die Daten der schulärztlichen Untersuchung hinzu. Hier werden die Kinder auf Schulreife, Entwicklungsverzögerungen und körperlicher Gesundheit untersucht. 

Alles Daten und Informationen, die der Lehrer im Hinterkopf hat und dem Kind gegenüber so auch zu einer Erwartungshaltung kommt. Bei verhaltensunauffälligen Kindern sicherlich kein Problem. Bei verhaltensauffälligen Kinder findet spätestens beim ersten Fehlverhalten eine Stigmatisierung aufgrund der erhaltenen Daten und Hinweise statt.

Sinnvolle Daten für den Lehrer

Einige dieser Ergebnisse können durchaus sinvoll in der Hand des Lehrers sein. Zum Beispiel bei körperlichen Handycaps. Zum Beispiel bei einer vorliegenden Diabetes-Erkrankung. 

Bei Erwachsenen kompletter Neustart bei Arbeitsplatzwechsel

Wenn Sie die Arbeitsstelle wechslen, so ist das verbunden mit einem Neustart. Ihre Vorgesetzten wissen nichts über Sie, außer, dass Sie die entsprechende Qualifikation zur Ausübung dieses Berufes haben.

Bei den Kindern, die eingeschult werden und die zur weiterführenden Schule wechseln,  ist das anders. Ihnen eilen die Erfahrungen, die Erzieherinnen und Lehrer mit ihnen gemacht haben, voraus. Ein unbelasteter Neustart ist so nicht möglich. Den haben die Kinder allerdings verdient.

Meine Erfahrung

In jahrzehntlanger Praxis habe ich solche Vorgespräche abgelehnt und mich einige Zeit nach Schulbeginn mit den Erzieherinnen getroffen. Dort haben wir unsere Eindrücke über das Verhalten des jeweiligen Schüler abgeglichen. Selten hatten wir den gleichen Eindruck, weil das Verhalten des Kindes in der Schule ein anderes war. 

Ich plädiere für einen kompletten Neustart beim Übertritt. Auf jeden Fall ohne Verhaltens- und sonstige Beobachtungen, die schon die Schublade öffnen, in die das Kind in vielen Fällen gesteckt werden wird.

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