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Zeugnisse

Posted in Lernen, Nachdenkliches, Schule, and wasmirindensinnkommt

Jetzt ist es wieder so weit, Ende der Woche gibt es Zeugnisse an den Schulen Nordrhein-Westfalens.

In der Regel sind es Notenzeugnisse, die in diesem Halbjahr ausgestellt werden, denn Grundschüler erhalten nur am Ende des 1. Schulbesuchsjahres oder am Ende des 2. oder 3. Schulbesuchsjahres ein Zeugnis.
Nach dem ersten Schulbesuchsjahr handelt es sich um ein reines Textzeugnis, am Ende des 2. oder 3. Schulbesuchsjahres, wenn eine Versetzung in Klasse 3 ansteht, ein kombiniertes Text- und Notenzeugnis.

Wenn es nach mir ginge, gäbe es gar keine Notenzeugnisse!

Was sagt ein Notenzeugnis eigentlich aus?

Zum einen zeigt es, dass der Schüler zu einem bestimmten Zeitpunkt, – gemeint ist der Zeitpunkt, an dem eine Klassenarbeit geschrieben worden ist, – punktgenau die verlangten Fakten zur bereitstellen konnte.
Das kann in Mathematik das Rechnen bestimmter Aufgabentypen sein, in Geschichte Ereignisse einer Jahreszahl zuordnen oder einfach nur präsent hatte oder auch nicht wusste, was an diesem Tag, in dieser Stunde gefordert worden war.
Die Note sagt nichts darüber aus, ob der Schüler das, was er dort wusste immer noch abrufbar präsent hat und vielleicht sogar auf andere Sachverhalte übertragen kann, Kompetenzen erworben hat.

Hinzu kommt, dass in die Bewertung solcher Arbeiten nicht nur individuelle Anstrengungsbereitschaft mit einließt, sondern diese Note in der Regel am Durchschnitt des Leistungsvermögens der Klasse durch die Zusammenstellung der Aufgaben in der Arbeit ausgerichtet ist.
Mit anderen Worten, ein durchschnittlicher Schüler kann in Fällen, in denen das Klassenniveau unter der Norm liegt, bessere Noten bekommen, als er in einer Klasse mit durchschnittlichem oder gar höherem Leistungsniveau bekäme.

Eine Vergleichbarkeit der Noten innerhalb einer Schule ist schon schwierig genug, schulübergreifend fast unmöglich. Hinzu kommt bei der Notengebung die persönliche Gewichtung der Bewertung durch den Lehrer. Eine Einflussgröße, die durchaus nicht unterschätzt werden darf.

Wo liegt der Sinn einer solchen Note?

Ich weiß es nicht, denke mir allerdings, dass auf diese Weise eine gewisse Auswahl und Klassifizierung stattfinden soll. Im Grunde handelt es sich um eine Defizitbewertung, die durchaus dazu angetan ist, Motivation und Selbstwertgefühl zu nehmen, aber nichts über die Fähigkeiten des Beurteilten aussagt.

Noten geben vielleicht Eltern eine Orientierung, welche der weiterführenden Schulen ihr Kind besuchen kann, wenn nach dem 4. Schuljahr ein Schulwechsel ansteht. Ob diese Wahl der weiterführenden Schule die richtige Wahl war, stellt sich erst im Nachhinein heraus. Hier liegt die eigentliche Krux!

Statt den Kindern die nötige Ruhe und die entsprechende Zeit zu geben, sich nach eigenem Potenzial, unterstützt und gefordert und gefördert durch Eltern, Kindergarten und Lehrer, ist die Bereitstellung willkürlich geforderter Gedächtnisleistung zu einem bestimmten Zeitpunkt gefordert.

Darauf wird das Augenmerk gerichtet und darauf wird hingearbeitet. Ob das den Bedürfnissen des Kindes oder seiner augenblicklichen Entwicklung entspricht, ist dabei von untergeordneter Bedeutung.

Zeugnisse sind nur sinnvoll, wenn es sich nicht um „Auslesezeugnisse“ handelt, die Defizite als Bewertungsgrundlage haben.

Zeugnisse sollen und müssen die erworbenen Fähigkeiten und Entwicklungen beschreiben und unterstützend sein. So motivieren und beflügeln sie!

Grundsätzliches zur Leistungensbewertung

Sicherlich werden Sie sich fragen, wie ist eine Leistungsbewertung ohne Lernzielkontrollen oder Klassenarbeiten möglich? Dazu lesen Sie hier demnächst mehr.

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