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Zwanzig Jahre dreißig Schüler in einer Klasse

Posted in Nachdenkliches, Schule, Standpunkt, and wasmirindensinnkommt

Und das ist noch nicht alles, denn die Klasse war altersgemischt und wurde von Schülerinnen und Schülern der Jahrgänge 1 – 4 gebildet.

Und das ist noch nicht alles, denn es war ein entspanntes Arbeiten für die Schülerinnen und Schüler und auch für mich.

Und auch das ist noch nicht alles, denn trotz dieser scheinbar unmöglichen Voraussetzungen sind die Schülerinnen und Schüler ausgesprochen erfolgreich gewesen bei ihrer Arbeit, beim Wechsel auf die weiterführende Schule und auch heut noch.

Und das ist immer noch nicht alles, denn es wurden in dieser Zeit ausgesprochen wenige Arbeitsblätter ausgegeben und die Hausaufgaben waren individualisiert.

Und das ist immer noch nicht alles, denn auch das Lernen war individualisiert und der Lehrer fungierte als Helfer, Moderator und Unterstützer und war zu keinem Zeitpunkt der, der animierend vor der Klasse stand und den Schülerinnen und Schülern sagt, was sie in diesem Moment zu tun hätten.

Und das ist immer noch nicht alles …

Das kann nicht funktionieren, werden Sie nun vielleicht denken. Da muss ich Ihnen zustimmen und gleichzeitig widersprechen.

Es kann nur schlecht und selten  funktionieren unter den Bedingungen, in denen heute in der Regel gearbeitet wird und gearbeitet werden muss.

Es kann nur funktionieren, wenn die Voraussetzungen so optimal sind wie sie es an der Schule waren, an der ich eine altersgemischte Klasse über zwanzig Jahre lange führen durfte.

Die erste Voraussetzung ist, dass alle Lehrerinnen und Lehrer an einer Schule ein ähnliches Verständnis von Schule haben.

Dies setzt voraus, dass tatsächlich auch eine Änderung in der Stellenverteilung und –zuweisung stattfinden müsste. Die Schulleitung kann sich die Lehrerinnen und Lehrer aussuchen, die in das Profil der Schule am besten passen. Heute ist es so, dass man die Kolleginnen und Kollegen zugewiesen bekommt und diese oftmals ein anderes Verständnis von Schule haben. Kommt es zu einer schulscharfen Ausschreibung, so entscheidet ein Gremium, dass sich zum Teil aus Vertretern zusammensetzt, die mit der Arbeit in dieser Schule wenig zu tun haben. Auch, man möge mir verzeihen, dass ich das hier so offen sage, auch Eltern in einer Grundschule sind meines Erachtens in einer solchen Auswahlkommission eine Fehlbesetzung, die ganz andere Interessen haben und nicht immer mit der Schulentwicklung übereinstimmen.

Eine räumliche Ausstattung muss vorhanden sein, in der an jedem Klassenraum noch ein Nebenraum angeschlossen ist, der individuelles Arbeiten durch den erhöhten Platzbedarf bei dieser Arbeitsweise zur Verfügung stellt.

Die Möblierung der Räume muss diesen Anforderungen an individuellem Arbeiten ebenfalls Rechnung tragen. Regale für das Unterrichtsmaterial, Ablageflächen für begonnen Schülerarbeiten und eine flexible Aufteilung in verschiedene Zonen des Klassenraumes müssen ebenfalls zum Standard bei der Einrichtung gehören.

Ein Grundstock des Unterrichtsmaterials muss in jeder Klasse vorhanden sein, der auch einen sinnvollen Vertretungsunterricht ermöglicht, da die Grundausstattung in allen Klassen gleich ist.

Raum für individuelles Arbeiten bei den Lehrerinnen und Lehrern muss ebenfalls Grundlage des Arbeitens an einer Schule sein.

Nicht zuletzt und das ist manchmal schwierig, müssen auch die Eltern hinter diesem Konzept stehen, es mittragen und Vertrauen in die Arbeit der Schule haben und insbesondere Vertrauen in das eigene Kind setzen. Sie müssen also die eigenen Schulerfahrungen komplett über Bord werfen, denn diese haben in der Regel nichts mit einer Schule zu tun, in der individuell gelernt und gearbeitet wird und Kompetenzen statt reproduktivem Wissen vermittelt werden. Weniger Libaralisierung täte meines Erachtens Schule gut.

Ein Vorteil einer großen Klasse ist auch der, dass einzelnen Schüler nicht ständig im Blickfeld des Lehrers sind, sondern sich auch außerhalb dieser Kontrolle bewegen können. Dies fördert die Eigenverantwortung und schafft einen Freiraum, den unsere Kinder heute kaum noch haben.

Nachteil für den Lehrer ist der größere Verwaltungsaufwand, den er zu bewältigen hat. Damit ist nicht nur das Schreiben der Zeugnisse gemeint, obwohl hier jeder Schüler weniger als Erleichterung empfunden wird, sondern der Verwaltungsaufwand der das ganze Jahr neben der unterrichtlichen Tätigkeit geleistet werden muss.

Es funktioniert, da kann ich dem Ergebnis der Studie nur zustimmen. Allerdings geht es nur, wenn die Voraussetzungen stimmen. Stimmen diese allerdings, so sind meines Erachtens individuellere Lernwege und Heterogenität ein Gewinn für die gesamte Schulgemeinde und jedes einzelne Mitglied dieser Schulgemeinde.

Klassenraum mit Empore und Gruppenraum

Links

Studie: Grundschulklassen Die Größe ist egal, Süddeutsche Zeitung

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