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Zwischen den Jahren

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Zwischen den Jahren, eine Redewendung, die so nicht stimmt und ursprünglich auch etwas anderes meinte.

Zwischen den Jahren, also heute die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr, in der viele Menschen noch frei haben und die Zeit nutzen, um einen Kurzurlaub in einem schneesicheren Gebiet zu verbringen.

Zwischen den Jahren, eine Zeit, in der man häufig müßig und etwas ziellos durchs Leben geht. Von den Weihnachtsfeiertagen noch geschwächt und in der Vorbereitung auf das nächste Fest, bevor sich nach Neujahr alles wieder normalisiert und alltäglich wird.

Zwischen den Jahren, die Zeit, in der man einander die besten Wünsche für das kommende Jahr entbietet und vielleicht ein bisschen das vergangene Jahr resümiert.

Zwischen den Jahren, eine Zeit, in der auch ich nachdenklich bin und auf das vergangene Jahr zurückschaue.
Ein Jahr, das nicht viel Gutes für mich bereithielt. Drei Mal ein längerer Klinikaufenthalt. Aus der Bahn geworfen, das Leben neu ordnen müssend, stehe ich nun an einem Punkt, an dem ich nur bedingt entscheiden kann, wie es weitergehen soll.
Auf den Rückhalt meiner Familie vertrauend und auf den weniger Freunde, schaue ich doch einigermaßen optimistisch in die Zeit, die vor mir liegt.

Wie sagte Hermann Hesse in seinem Gedicht »Stufen«

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft zu leben.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und mir ein neues Jahr, das die Wünsche ein wenig berücksichtigt, die jeder in seinem Innersten verborgen hat. Möge es ein gutes Jahr werden, im Wesentlichen von Gesundheit, Zufriedenheit und Gelassenheit geprägt.

Ein gutes neues Jahr!
Ihr
Elmar Fischer

Hier nun noch das komplette Gedicht:

Stufen
Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.

Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in andre, neue Bindungen zu geben.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten.

Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegensenden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden …
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!
Hermann Hesse

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